3. März 1908. MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT. 445 d«r Pylorusgegend, 59. Herr Sch., alte Ulcüsnarben am Pylorus, 60. Frau Q., 33 Jahre, Gonorrhöe des R.ektums, starke Eiterung. 11. V e r s u c h s t a g: 61. Herr E.,'17 Jahre, normal, 62. Herr Sch., 40 Jahre, Karzinom des Oesophagus, 28 cm Hindernis, 63. Herr F., 37 Jahre, Gastritis chronica, Kongo negativ, 64. Herr T., 48 Jahre, Kärzinommetastasen, Ikterus, starke Abmagerung, am 30. V. wegen Pylorus,karzinom operiert, 65. Her.r Sch., 50 Jahre, Gastritis oder Karzinom? 66. Herr A., 54 Jahre, Cholelithiasis. 12. Versuchs tag: 67. Frau S., 40 Jahre, Anazidität, Ga- stroptose, 68. Frau B„ 48 Jahre, palpables Magenkarzinom, 69. Herr Z., 26 Jahre, Neurasthenie, Kongo positiv, 70. Herr E., 65 Jahre, Kardiakarz'inom, 38cm Widerstand, 71. Herr M., 50 Jahre, Hyper¬ azidität, Kongo sehr stark positiv, 72. Herr K., 60 Jahre, palpables Magenkarzinom, 73. Fri. K., 23 Jahne, Ulcus ventriculi, 74. Frau T„ palpables Magenkarzinom. 13. Versuchstag: 75. Herr K., 48 Jahre, Gastroenterostomie .wegen Magenkarzinom, 76. Herr N„ 28 Jahre, Hypersekretion, 77. Frau J., Kolonkarzinom mit Ileuserscheimmgen, 78. Frau T., Magen- farzinom. Aus dem pharmakologischen Institute der Universität Basel. Zur graphischen Registrierung des Blutdruckes beim Menschen. Von Prof. A. J a q u e t. Das lebhafte Interesse, welches seit einigen Jahren dem Studium des Arteriendruckes beim gesunden und kranken Menschen entgegen gebracht wird, hatte zur Folge, -dass in letz¬ ter Zeit verschiedene Versuche gemacht wurden, um die bis¬ herigen Methoden zur Bestimmung des Blutdruckes beim Men¬ schen zu vervollständigen und präziser zu gestalten1). Ein Hauptmangel der früheren Untersuchungsmethoden war die Unmöglichkeit, die Angaben des druckmessenden Manometers geschrieben zu registrieren, und. sämtliche Autoren, weiche sich mit der Verbesserung der tonometrischen Technik beschäftigt haben, waren bestrebt, ihre Apparate mit einer graphischen Registriervorrichtung zu versehen. Diesen Mangel habe ich im Laufe einer Versuchsreihe über den Einfluss ge¬ wisser psychischer Vorgänge auf den Blutdruck lebhaft emp¬ funden, bei welchen mehrere Blutdruckbestimmungen in kurzer Reihenfolge gemacht werden mussten. Diese Bestimmungen wurden von einem Assistenten vorgenommen, der den Stand des Quecks'ilbermanometers am Riva-Rocci sehen Apparat notierte, während ich mit den übrigen Beobachtungen be¬ schäftigt war. - Dabei empfand ich stets das unangenehme Ge¬ fühl der Abhängigkeit von einem zweiten Beobachter und der Unmöglichkeit dessen Angaben zu kontrollieren. Dieses Unsicherheitsgefühl veranlasste mich, eine Vorrichtung zur gra¬ phischen Registrierung des Arteriendruckes zu konstruieren, welche mir die Möglichkeit gab, jede Phase eines Versuches zu fixieren. Der Apparat, den ich Sphygmotonograph nennen möchte, besteht aus einer Manschette nach Riva-Rocci, welche durch ein Gabelrohr einerseits mit einem Gebläse zur Erzeugung des Druckes, andererseits mit dem druckregistrieremden Apparat verbunden ist. Dieser Apparat wird am Sphygmokardiographen befestigt, so dass man auf dem gleichen Bapienstreifen gleichzeitig den Puis der Arteria radialis und den Blutdruck registrieren kann. Fig. 1. Zur Registrierung des Drucks bediene ich mich einer Aneroid- kapsel. Die früheren tonoimetrischen Apparate von P o t a i n und von Basch waren ebenfalls mit einem Metallmanometer versehen. 1) Die in der Münch, med. Wochenschr. 1907, No. 37 erschienene Abhandlung von Münzer enthält eine Aufzählung der verschiedenen Versuche zur Vervollständigung der Technik der Blutdruckmessung, so dass ich darauf verzichten kann, an dieser Stelle Bekanntes zu wiederholen. Man hat aber dem Metallmanometer den Vorwurf gemacht, dass es nicht konstant sei. Mit der Zeit deformiere sich die Kapsel, so dass eine Verstellung des o-Puniktes der Skala eintritt. Ferner kann sich ihre Elastizität verändern, so dass die Ausschläge des Zeigers nicht mehr mit den wirklichen Druckschwankungen übereinstimmen. Man muss zugeben, dass diese Einwände bis zu einem gewissen Grade berechtigt sind, obschon es sehr darauf ankommt, wie man mit einem Metallmanoimeter umgeht, und man bei sorgfältiger Behand¬ lung mit 'einem solchen Instrument lange Zeit übereinstimmende Messungen machen kann. In Bezug auf Gleichmässigkeit und Zu¬ verlässigkeit ist das Quecksilberimaiiometer dem Metallmanometer gewiss vorzuziehen. Die Kompendiosität des Metallmanometers ist aber ein Vorzug, der stark in die Wagschale fällt, sobald es sich um Instrumente handelt, welche nicht bloss zu Laboratoriumsver- suchen dienen, sondern auch in der ärztlichen Praxis Verwendung finden sollen. Die graphische Registrierung der Ausschläge eines Quecksilbermanometers an einer rotierenden Trommel bietet im Laboratorium nicht die geringste Schwierigkeit; es dürfte aber ausserordentlich schwer fallen, einen für die Bedürfnisse des prak¬ tischen Arztes geeigneten, kompendiösen Apparat zu bauen, der eine derartige graphische Registrierung der Schwankungen der Queck¬ silbersäule gestatten würde. Die Nachteile des Metallmanometers können übrigens durch eine periodische Kalibrierung des Apparates mit Hilfe eines Quecksilbermanometers eliminiert werden, sowie durch Anbringung einer Reguliervorrichtung, welche uns erlaubt, den Schreibhebel so einzustellen, dass er stets bei der gleichen Druckhöhe auszuschlagen beginnt. Nachdem wir uns für das Metallmanometer entschieden hatten, war noch eine technische Schwierigkeit zu überwkidén. Bei der einfachen Uebertragung der Bewegungen .der Metallkapsel auf einen gewöhnlichen Schreibhebel nach Art der Registriiervorrichtimg der elastischen Kapseln des Sphygmokardiographen zeigte sich, dass die Ausschläge des Schreibhebels für eine gleiche Druckzunahme mit zunehmendem Drucke geringer wurden. Während die Erhöhung des Druckes von 50 auf 60 mm einen Ausschlag des Schreibhebels von über 2 mm verursachte, betrug der Ausschlag nur noch etwa 0,5 mm, wenn der Druck von 170 auf 180 mm erhöht wurde. Diese Erschei¬ nung rührt einerseits von der Abnahme der Dehnungsfähigkeit der Kapsel mit zunehmendem Drucke her, andererseits von einer Ver¬ schiebung der Verhältnisse der Hebelarme im Schreibhebelsystem, sobald durch die Ausdehnung der Kapsel der Schreihhebel aus seiner Ruhestellung nach vorne geschoben wird. Infolgedessen nehmen mit zunehmender Entfernung des Sohreibhebels von der Ruhestellung seine Ausschläge für gleich grosse Differenzen progressiv ab. Dieser Uebelstand musste beseitigt werden, indem >er die Aus¬ messung der gewonnenen Druckkurven und Berechnung der Druck- hohen wesentlich erschwerte. Dank der Mitwirkung des Herrn Direktor Schule ist dies in sehr befriedigender Weise durch An¬ bringung einer kompensatorischen Hebelvorrichtung gelungen., Wie aus der Fig. 2 ersichtlich, wirkt der Stift der Manometerkapsel nicht Fig. 2. direkt auf den Schreibhebel, sondern setzt einen Kniehebel a in Bewegung, der seinerseits auf einen zweiten. ' Kniehebel b wirkt, ■dessen langer Schenkel der Schreibhebel ist. Indem der Angriffs¬ punkt des ersten Kniehebels auf den zweiten mit zunehmender Aus¬ dehnung der Kapsel der Achse des zweiten Kniehebels immer näher gerückt wird, erreicht man eine Kompensation, durch welche die Ausschläge des Schreibhebels für gleichgrosse Druckdifferenzen in allen Druckhöhen gleichgross ausfallen. Beifolgend gebe ich als Beispiel die Resultate der Kali¬ brierung eines Apparates mit einem Quecksilbermanometer wieder. Die erste Kolonne enthält die Druckwerte in mm Hg; die zweite die Ausschläge des Schreibhebels in mm für die entsprechende Druckschwankung. (Tabelle siehe nächste Seite.) Der Mittelwert der vierzehn Bestimmungen beträgt 1,78, d. h. für eine Druckschwankung von 10 mm Hg beträgt die Ex¬ kursion des Schreibhebels des Tonographen 1,78 mm. Die Abweichungen vom Mittelwerte nach oben und nach unten überschreiten 0,1mm kaum; eine Grösse, welche selbst bei sorgfältigster Messung mit dem Kurvenanalysator noch inner-