432 L. William Stern. B. Zu Abstimmungszwecken. Will man die unbe¬ kannte Tonhöhe irgend eines Instruments (z. B. einer Pfeife), bestimmen, so läfst man es mit der entsprechenden Flasche des Tonvariators zusammen erklingen und dreht die Kurbel, bis die Schwebungen verschwinden; dann zeigt das Zifferblatt die ge¬ suchte Tonhöhe an.1 C. Zu psychologischen Forschungszwecken. Die beiden Haupteigenschaften des Apparats — beliebige Herstellbar- keit und beliebig feine Variabilität von Tönen und Tonver¬ bindungen — ermöglichen seine Anwendung bei dem gröfsten Theil derjenigen Untersuchungen, die sich auf Unterschieds- und Veränderungsempfindlichkeit, Tongedächtnifs, Differenztöne, Ver¬ schmelzungsgrade, Klangverwandtschaft, Intervallschätzung u. s. w. beziehen.'2 * — Der Apparat wird in zwei Formen angefertigt, einer Präci- sionsform für wissenschaftlich-theoretische Zwecke und einer ein¬ facheren. Der Hauptunterschied wird darin liegen, dafs der ein¬ fachen Form die Zahnradübertragung und damit die Einsteilbar¬ keit der kleinsten und feinsten Differenzen fehlen wird. Es greift also die Kurbel direct an der Hauptachse an. Diese Form soll bestimmt sein für Demonstrationszwecke, nicht nur in der Psychologie, sondern auch in der Physik und Physiologie, ferner für practische Untersuchungen des Ohrenarztes (Feststellung von Toninseln und Lücken, Untersuchungen .der Gehörreste bei Taub¬ stummen u. s. w.).8 1 Ob auf diese Weise der Tonvariator vielleicht für den Instrumenten¬ bau nutzbar zu machen ist, mufs der Zukunft überlassen bleiben. 2 Aufserdem sei noch darauf hingewiesen, dafs der Tonvariator in ge¬ wisser Beziehung vielleicht auch als „Zeitsinn“-Apparat dienen kann. Da er nämlich Schwrebungen zu erzeugen und zu variiren vermag, so haben wir in ihm das Mittel, Successionsgescliwindigkeiten von Beizen in beliebiger Weise abzustufen. 3 Nähere Auskunft über den Apparat ertheilt der Verfertiger, Herr Mechaniker F. Tiessen, Breslau, Schmiedebrücke 30. (Eingegangen am 28. October 1902.)