Experimentelle Ergebnisse der Gestaltpsychologie. 23 des Hungers, der Liebe, des Angriffes, nachweisbar sind. Darüber hinaus gibt es aber eine große Anzahl wichtiger sozial-psychologischer Er¬ scheinungen, die immer da eintreten, wo eine Gruppe von Menschen in den verschiedensten Formen und Arten der Leistung miteinander arbeiten, gemeinsame Wirkung erstreben, oder einer gemeinsamen Einflußnahme unterstehen. Diese Erscheinungen sind für die praktische Psychologie viel umfassender und ungleich wichtiger. Experimentelle Ergebnisse der Gestaltpsychologie. Von Friedrich Sander (Leipzig). Mit 22 Abbildungen im Text. Die Anfänge einer Psychologie der Gestalterlebnisse — in dem folgenreichen Aufsatz von Ehrenfels (92, 93) über Gestaltqualitäten vom Jahre 1890 — fallen in eine Periode unserer jungen Wissenschaft, in der allerorten ernüchternd die Unzulänglichkeit einer bloßen, wie man heute gern sagt, „Elementenpsychologie“ deutlich wurde und deut¬ lich werden mußte als in einer Periode seelenkundlichen Eorschens, in der sich der Blick von letzten, nicht weiter zergliederbaren, aus dem Erlebniszusammenhang herausgerissenen Teilgegebenheiten wieder aufhob zu der Komplexität des seelischen Seins und Geschehens selbst, seiner Verankerung in dem transphänomenalen Gesamtgefüge der Persönlichkeit und seiner Einbettung in überindividuelle soziale und kulturelle Zusammenhänge. Ehrenfels’ Begriff der Gestalt¬ qualität, Wundts Prinzip der schöpferischen Synthese, Diltheys Strukturbegriff, in gewissem Sinn auch Freuds These von der sinn¬ vollen Determinierung, alle demselben Jahrzehnt angehörend, haben trotz verschiedener theoretischer Valenz das gemeinsam, daß sich in ihnen ankündigt die Überwindung der überkommenen Anschauung von dem Aggregatcharakter und zum Durchbruch kommt, zunächst mehr geahnt als begrifflich bestimmt, die Überzeugung von der Ganz- heitlichkeit des unmittelbar Erlebten und darüber hinaus des dis¬ positionellen, strukturellen Gesamtbestandes seelischer Wirklichkeit. Daß damit die wissenschaftliche Psychologie an einem kritischen Wendepunkt ihrer Entwicklung in eine lange, fruchtbare Tradition, insbesondere der deutschen Seelenlehre, wiedereinlenkte, eine Tradition, die sich über die Erfahrungsseelenlehre des 18. Jahrhunderts, hinweg bis zur intuitiven Psychologie der Renaissance, ja bis in die deutsche