1031 kann unlösbare Verbindung oder Verkoppelung von Merkmalen Vorkommen: im extremen Falle würde der Mischling dann ganz dem Vater oder der Mutter gleichen. Endlich kann die einmal erzeugte Combination sofort völlig constant bleiben oder aber in den folgenden Generationen auch andere Combinationen (theil- weise constant) hervorbringen, also eine sogenannte Spaltung erleiden. Diese kann wiederum eine reine (d. h. in einfachmerk¬ malige Individuen) sein oder eine (theilweise) unreine, d. h. in doppelmerkmalige neben einfachmerkmaligen (entweder durch¬ wegs constanten oder theilweise sich weiter spaltenden). Es ist keineswegs principiell nothwendig, dass sich in einem bestimmten Kreuzungsfalle alle Merkmale nach einem und demselben Schema von den angedeuteten 32, beziehungsweise 64 verhalten. Von diesen Schematen sei hier nur das einfachste, das klassische Schema Mendel’s, welches dieser für die von ihm studirten Merkmale gewisser Erbsen- und Bohnenrassen zutreffend fand, kurz erläutert. Nach demselben kommen die einzelnen Merkmale an allen Individuen der ersten Generation und an allen Theilen jedes einzelnen Individuums gleichmässig zur Ausbildung. Ferner weisen die erzeugten Hybriden nur je eines von den beiden con- currirenden Merkmalen der Eltern rein und unvermischt auf; dasselbe wird das „dominante” genannt, das andere „recessive” tritt erst wieder zu Tage in der zweiten Generation, welche durch Selbstbestäubung oder Kreuzung unter den Mischlingen gleicher Elternformen erzeugt ward. Es findet also in der zweiten Generation eine Spaltung statt, indem sich das dominante Merk¬ mal an dreimal so viel Individuen ausprägt, wie das recessive. Da die einzelnen Merkmale sich im Allgemeinen selbständig ver¬ halten, finden sich bei genügend grossem Material alle möglichen Combinationsfälle in bestimmten Zahlenverhältnissen vor. Für den Züchter gilt es aber, alle diese Combinationen zu erhalten und die wenigstens in einem bestimmten Merkmale constanten Formen, die sich unter gleichgestalteten aber inconstanten verbergen können, zu ermitteln: dazu bedarf es jedoch eines sehr sorgfältigen Anbaues im Grossen, eventuell des Schützens vor Fremdkreuzung auch in den späteren Generationen und des Erntens nach einzelnen Individuen, was später noch eingehend erörtert werden soll. Es ist ferner für die rationelle Züchtung von ganz besonderer Bedeutung, dassdiedemMendel’- schen Schema folgenden „recessiven” Merkmale, einmal 69*