Beiträge znr Muscarin-Frage. II. Mitteilung1). Uber Pseudo-Muscarin („Synthetisches Muscarin“). Von Albert B« Weinhagen. (Aus dem agrikulturchemischen Laboratorium der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich, im Laboratorium von E. Winterstein.) (Der Redaktion zugegangen am 5. November 1820.) Muscarin ist eine im Fliegenpilz (Amanita muscaria) ent¬ haltene Substanz, welche in kleinsten Mengen diastolischen Stillstand des Froschherzens bewirkt. Der Stillstand wird durch Atropin aufgehoben. Im Fliegenpilz findet sich auch Cholin, und da nach Schmiedeberg das Muscarin sich vom Cholin durch den Mehrgehalt von einem Sauerstoffatom unter¬ scheiden soll, schrieb Harnack2) der Base die Formel eines Cholinderivates, OHN^Ha^CH^OH).,, zu. Tatsächlich er¬ hielten Schmiedeberg und Harnack8) durch Behandlung von Cholin mit konzentrierter Salpetersäure bald darauf eine Base (synthetisches oder Pseudo-Muscarin), welche, ähnlich dem Muscarin, Stillstand des Froschherzens bewirkt, und dieser Befund schien die Annahme, daß das natürliche Muscarin und das Oxydationsprodukt des Cholins identisch seien, zu bö¬ stätigen. Baldzeigten aber Boehm4), Honda6) undH. Meyer41), daß die natürliche Base und das synthetische Produkt sich ‘) Diese Zeitschr. Bd. 105, S. 249 (1919). 2) Harnack, AePP Bd. 4, S. 168 (1876). 3) Schmiedeberg und Harnack, AePP Bd. 6, S. 101 (1877).' 4) Boehm, AePP Bd. 19, S. 87 (1885). 5) Honda, AePP Bd. 65, S. 454 (1911); Bd/64, S. 72 (1910). *) Meyer, Nothnagel, Ber. Bd. 26, S. 804 (1893); Arch. Pharm. Bd. 231, S. 261 (1893).