Die Monoaminosäuren der Linsenproteine. Von Prof. Dr. A. Jess, Oberarzt der Univ.-Augenklinik zu Gießen. (Ans dem physiologischen Institut der Universität Halle.) (Der Redaktion zugegangen am U. August 1920.) Die chemischen Veränderungen, welche in der Linse des Auges im Falle ihrer Trübung, der Starerkrankung, nachzu¬ weisen sein dürften, beanspruchen in hohem Maße das In¬ teresse der Ophthalmologen. Ist doch zu hoffen, daß auf diesem, bisher kaum begangenen Wege unser Verständnis für die Entstehung des Stares in allen seinen verschiedenen Formen von ganz anderen Gesichtspunkten aus erweitert werden kann. Ich habe in früheren Arbeiten („Zur Chemie der Cataracta senilis“, Arch. f. Aghlk. Bd. 71, S. 3, und „Beiträge zur Kenntnis der Chemie der normalen und der pathologisch veränderten Linse des Auges“, Zeitschr. f. Bio¬ logie 1913) zunächst den Nachweis geführt, daß die sogenannte Cysteinreaktion, d. h. die Rotfärbung mit Nitroprussidnatrium und Ammoniak, welche die meisten tierischen und viele pflanzlichen Eiweißkörper geben (Heffter1), Arnold* *), die in der normalen Linse außerordentlich intensiv ausfällt, aber nach Reiß *)4) Untersuchungen bei ihrer kataraktösen Umwand- *) Heffter, Die reduzierenden Bestandteile der tierischen Organe, Med. naturw. Archiv Bd. 1. Ref. in: Jahresbericht über die Fortschritte der Tierchemie Bd. 67, S. 565. *) Arnold, Eine Farbreaktion von Eiweißkörpern mit Nitroprussid* natrium, Diese Zeitschr. Bd. 70. *) Reiß, Über die Cyateinreaktion der normalen und der patholo* gisch veränderten Linse, Graefes Arch. f. Ophthal. Bd. 80, S. 588. 4) Reiß, Die Bestimmung der Reife des Alterstares auf Grund biochemischer Reaktion der Linse, Arch. f. Aghlk. Bd. 72, S. 2.