Zur Frage des Wesens der Stickstoffretention bei Fütterung mit Ammoniaksalzen. Von Dr. Hans Geßler, Assistent der Klinik. (Ans der medizinischen Klinik zu Heidelberg.) (Der Redaktion zugegangen am 11. MKrz 1920.) Vor einigen Jahren konnten Grafe und Schlüpfer und gleichzeitig Abderhalden nachweisen, daß durch Fütterung von Ammoniaksalzen bei sonst stickstofffreier Kost eine er¬ hebliche Stickstoffretention zu erzielen ist. Für diese merk¬ würdige Erscheinung fehlt noch immer eine befriedigende, ex¬ perimentell gestützte Erklärung. Die Annahme, daß es sich dabei um einen vollständigen Neuaufbau von Eiweiß unter Benützung des verfütterten Ammoniak und der Kohlehydrat- gruppen handelt, mußte aus verschiedenen Gründen aufgegeben werden. So rückte die Auffassung in den Vordergrund, daß die Stickstoffspeicherung zwar nicht durch Eiweißsynthese, wohl aber durch Zurückdrängung des Abbaus körpereigenen Eiweißes durch das Ammoniak zu erklären sei. Einerseits mochte dabei die Verwendung des Ammoniak im intermediären Stoffwechsel in Frage kommen, anderseits konnte die Eiweißersparnis durch Alkaliwirkung verursacht sein, was besonders Peschek auf Grund eigener Versuche verficht. Dieser letzten Deutung fehlen allerdings vorläufig die wesentlichen Grundlagen. Schließlich bestand noch die Möglichkeit, daß der Stickstoff der verfütterten Ammoniaksalze in irgendeiner un¬ bekannten, indifferenten Form im Körper zurückgehalten werde, ohne sich wesentlich aktiv am Stoffwechsel zu beteiligen.