Zur Biologie aromUochor Artoovorbinduogon. Von ■ \ Emst Siebnrg (Aas dem Institut für Pharmakologie and physiologische Chemie der Universität sn Rostock.) (Der Redaktion angegangen am 7. Mira 1916.) Das uralte Heilmittel Arsen wurde in Form von arseniger Säure zuerst im Jahre 1902 von Laveran und Mesnil1) bei experimentell mit Trypanosomen infizierten kleinen Versuchs¬ tieren angewandt und sein Heilwert bei Erkrankungen dieser Ätiologie festgestellt. Etwas später, 1905, wurde zuerst eine sehr viel weniger giftige organische Arsenverbinduftg, das Natriumsalz der p-Aminophenylarsinsäure, bekannt unter dem Namen Atoxyl, mit Erfolg bei derartig experimentell erzeugten Trypanosomenkrankheiten benutzt.1) Fruchteringend für die praktische Medizin wurde die Frage der Behandlung von In¬ fektionskrankheiten mit Arsenikalien aber erst durch die Ar¬ beiten von Paul Ehrlich und seiner Schule, deren Kulminations¬ punkt die Darstellung und die von den höchsten Erfolgen gekrönte Einführung des Salvarsans in die Therapie der menschlichen Syphilis bildet. Von der großen Zahl der durchuntersuchten Arsenikalien, die alle Abkömmlinge der Phenylarsinsfiulre sind, wirkt die eine Gruppe nun zwar sehr prompt auf die Infektionserreger, ist* * aber für den Wirtsorganismus außerordentlich giftig; die andere Gruppe schädigt den Organismus zwar weniger, läßt jedoch auch die Parasiten ziemlich unbehelligt. In mancher Hinsicht ist es den Arsenikalien wie den Desinfektiönsmitteln. zu Beginn der antiseptischen Ära gegangen: das Sublimat, das, in den Händen von Robert Koch zuerst soviel versprach, versagte als Desinficiens des Organismus völlig. Die Vorstellung) daß die organischen Arsenverbindungen innere Äntiseptica sind, ist ja, namentlich wenn wir von einer «Therapia sterüisahs magna» reden, zunächst naheliegend, aber wir werden ihr kaum Raum *) Laveran and Mesnil, AnnaK de l'Institut Pasteur 1Ö02, pg. 785. •) Thomas, British Medical Journ., Bd. 50, S. 1140,1905. — Proc. Royal Society, Bd. 76, S. 513, 1905. — Memoir XVI Liverpool School of Tropical Medicine, 1905. . Hoppe-Seyler’s Zeitschrift f. phyeioi. Chemie. XCVII. 5