Zur Chemie der Bakterien. II. Mitteilung. Von Sakae Tamura (Tokyo). (Ans dom hypionischon und dom physiologischen Institut dor Universität Heidolborg.) (Der Redaktion zugegangen am 4. Oktober 1913.) In meiner ersten Mitteilung1) habe ich die Protoplasma- Bausteine zweier Bakterienarten, des Tuberkelbacillus und des Mykobakterium lacticola, einer Untersuchung unterworfen und festgestellt, daß sie im wesentlichen dieselben sind, wie die der höheren Lebewesen. Besonders gilt dies von denjenigen Bausteinen, aus denen sich das Proteinmolekül zusammensetzt. An die Erkenntnis dieser Tatsache knüpft sich die Frage, ob denn der Organismus der erwähnten Bakterien auch im¬ stande ist, alle diese verschiedenen Atomgruppen selbst zu bilden, oder ob ihm wenigstens ein Teil derselben durch den Nährboden zugeführt werden muß. Die Bakterienkulturen, welche zu meinen bisherigen Analysen gedient hatten, waren auf Pepton-Bouillon gezüchtet worden; hier war also die Mög¬ lichkeit einer Aufnahme komplizierter organischer Moleküle, besonders der Eiweißbausteine in fertigem Zustand geboten. Bei den neueren unten mitgeteilten Versuchen habe ich nun¬ mehr die Nährlösung vereinfacht, soweit dies mit einem aus¬ giebigen Wachstum der genannten Bakterien verträglich war. Ich gewann so die Möglichkeit, die synthetischen Fähigkeiten der Bakterien genauer festzustellen und die Frage zu ent¬ scheiden, ob mit der Vereinfachung der Nahrung auch eine Veränderung der Zusammensetzung der Körpersubstanz, speziell im Bau der Proteinstoffe, verbunden war. Zugleich dehnte ich diese Versuche auf die anorganischen Nährstoffe aus. I. Vergleich der Zusammensetzung von Mykobakterium lacticola nach Wachstum auf eiweißhaltigem und auf eiweißfreiem Nährboden. Die Frage, inwiefern die Zusammensetzung des Bakterien¬ leibes aus organischen Bausteinen gesetzmäßig vorgeschrieben ist und welchen Schwankungen sie unterliegt, läßt sich erst ‘) S. diese Zeitschrift, Bd. 87, S. 85.