Bemerkungen zu den Arbeiten A. Rakoezys Ober die Pepsin-Chymosinfrage. Von W. van Dam. (Der Redaktion zugegangen am 23. Mai 1913.) In einer neulich erschienenen Arbeit1) wurden von Rakoczy meine in einer vorhergehenden Mitteilung* *) veröffentlichten Befunde und Schlußfolgerungen einer Kritik unterzogen. Obschon ich im allgemeinen nicht zu einer Polemik geneigt bin, wenn diese nicht von neuen experi¬ mentellen Befunden gestützt werden kann, so muß ich für diesmal eine Ausnahme machen, weil es mir in den nächsten Jahren wahrscheinlich nicht möglich sein wird, weitere Experimente auf diesem Gebiete aus¬ zuführen. In meiner letzten, obengenannten Arbeit habe ich gezeigt, daß für Infusionen vom Magen des Kalbes, Schweines und Rindes ein fast voll¬ kommener Parallelismus gefunden wird bei der Verdauung von Casein (bei solchen H-Ionenkonzentrationen, daß noch kein Casein gelöst wird) einerseits und für die Milchkoagulation anderseits. Weiter konnte fest¬ gestellt werden, daß bei der Acidität 0,3 normal, etwa dieselben Unter¬ schiede bei der Caseinverdauung gefunden werden als bei der Verdauung von Hühnereiweiß nach Mett in HCl 0,2°/o. Der Unterschied bezieht sich aber nur auf die Geschwindigkeit der Verdauung; die Vprdauungs- produkte scheinen in ihrer qualitativen, sowie quantitativen Zusammen¬ setzung unabhängig zu sein von der Acidität des Mediums, was mir ein Argument für die Identität der Wirkung beider Enzymlösungen zu sein scheint. In seiner jüngsten Arbeit bestreitet Rakoczy meine Schlußfolge¬ rungen; nachdem er auf die Resultate hingewiesen hat. die ich in 0,3 normaler Salzsäure bei der Caseinverdauung erhielt, schreibt er: «Ein vollkommener Parallelismus zwischen der milchkoagulierenden und casein¬ verdauenden Wirkung gelangt aber sogar bei niedriger Acidität nicht zur Beobachtung; in allen Versuchen von van Dam ergeben die mehr Pepsin enthaltenden Lösungen auch größere Werte für die Caseinverdauung; in ’) Diese Zeitschrift, Bd. 84, S. 320. *) Diese Zeitschrift. Bd. 79, S. 247.