Oxydation von Lecithin bei Gegenwart von Eisensalz, Vorläufige Mitteilung. Von Otto Warburg und Otto Meyerhof. (Aus.der Zoologischen Station in Neapel.) (Oer Redaktion zugegangen am 13. Mai 1913.) Im Laufe einer Untersuchung über die Oxydationsprozesse in Zellen stießen wir auf eine Tatsache, die uns für die chemische Seite des Problems von großer Tragweite zu sein scheint. Bekanntlich sind die Substanzen, aus denen sich die Zelle aufbaut, und die in sauerstofTatmenden Zellen dauernd, direkt oder indirekt, oxydiert werden, außerhalb der Zelle bei den in Betracht kommenden Temperaturen von 20—40° gegenüber Sauerstoff relativ beständig; sie oxydieren sich außerhalb der Zelle mit einer Geschwindigkeit, die außerordentlich klein ist im Vergleich zu ihrer Oxydationsgeschwindigkeit in der lebenden Zelle. Das gilt beispielsweise für die Nucleinsäuren, Histone, Eiweißkörper, Fette. Lecithine, Zuckerarten usw. Auch Mi¬ schungen dieser Körper zeigen die gleiche Indifferenz gegenüber Sauerstoff. Wir haben nun gefunden, daß das als «Lecithin» bezeichnete Substanzgemisch sich bei Zimmertem¬ peratur mit großer Geschwindigkeit an der Luft oxy¬ diert, wenn man seiner wässerigen Suspension etwas Eisensalz zusetzt. Höchstwahrscheinlich ist zum Zustandekommen der Reak¬ tion die Anwesenheit einer kleinen Menge H-Ion erforderlich; die käuflichen Präparate von Merck und Kahlbaum, die wir benutzten, waren gegen Lackmuspapier schwach sauer und oxy¬ dierten sich, wenn Eisensalz zugesetzt wurde, während Zusatz von H-lon ohne erheblichen Einfluß auf die Oxydationsgeschwindig-