Über Vorgänge beim Färben animalischer Fasern. 313 Es schien mir daher von Wichtigkeit, die Rolle dieser Phenolhydroxylgruppen verschiedener Phenole beim Prozeß der Behandlung animalischer Fasern, speziell der Schafwolle, mit phenolartigen Körpern kennen zu lernen. Es ist eine altbekannte Tatsache, daß z. B. Trinitrophenol Wolle intensiv anfärbt, es ist aber ebenso bekannt, daß diese Färbungen sehr unecht sind und daß ein schwaches Seifenbad die ganze Färbung wieder abzieht, daß also ein einfacher reversibler Prozeß vorliegt. Ferner ist aus dem D.R.P. 77552 der Farbwerke Meister Lucius und Brüning bekannt, daß neben Amiden, Naphtholen, Dioxynaphthalinen und Amidodioxynaphtha- linen selbst eine Reihe von Sulfosäuren von Phenolen sich direkt auf die animalische Faser befestigen lassen. Da aber in den meisten bekannten Fällen nicht nur Phenolhydroxyl¬ gruppen, sondern auch Amidogruppen und wirkliche Säure¬ gruppen bei diesen Prozessen eine Rolle spielen, so erscheint das hier gewonnene Bild in bezug auf die Wirkungsweise der Phenolhydroxylgruppen nicht rein. Ich habe daher Versuche ausgeführt, auf meiner Versuchs- Schafwolle verschiedene Phenole und dann auch Phenolcarbon¬ säuren durch einstündiges Kochen mit verdünnten Lösungen dieser Körper unter Zusatz von etwas Essigsäure zu befestigen und ihre Eigenschaften auf der Faser zu ermitteln.. Es wurden für je 5 g Wolle 0,1 g des Phenols und 0,5 ccm einer 50°/oigen Essigsäure neben 200 ccm Wasser verwendet und eine Stunde auf 98—100° G. erhitzt. Hierauf wurden die Flotten geprüft und die , behandelte Schafwolle gründlich mit destilliertem Wasser gewaschen, bis die Waschwässer keine Spur einer Phenolreaktiori mehr er¬ gaben. Die Wolle wurde dann an der Luft getrocknet. Die Phenole wurden häufig mit ihren charakteristischen Eisenchloridreaktionen nachzuweisen versucht. Da solche Reaktionen nicht überall angegeben sind, so wurde jew'eilen das betreffende Phenol zunächst in wässeriger Lösung mit wenig Eisenchloridlösung geprüft. Es ergaben sich hierbei nicht un¬ interessante Resultate. So tritt die Eisenchloridreaktion des gewöhnlichen Phenols, wohl etwas in der Farbe abgeändert,