Die Synthese des Betonicins und Turicins. Von A. Küng. (Mitteilung aus dem rheinischen Laboratorium der Kantonsschule Solothurn. Schweiz.) (Der Redaktion zugegangen am 18. April 1913.) Kurze Zeit nachdem Schulze und Trier1 *) in Betonica oflicinalis ein neues Betain entdeckt hatten, dem sie den Namen Betonicin gaben, habe ich im Einverständnis mit Pro¬ fessor Schulze mit Versuchen in synthetischer Richtung be¬ gonnen. Das Betonicin (als Chlorhydrat isoliert) wurde von genannten Forschern als ein OxyStachydrin (Dimethylbetain des Oxyprolins) aufgefaßt. Die zuerst erhaltene Substanz war reines Betonicinchlorid. Später ließ sich dann zeigen, daß die bei einer zweiten Untersuchung erhaltenen Präparate nicht einheitlich waren, sondern ein Gemisch zweier entgegengesetzt drehender isomerer Basen darstellten, dessen Aufteilung Ge¬ genstand obiger Abhandlung bildete. Als Ausgangsmaterial diente mir das Oxyprolin, das E. Fischer zuerst unter den Hydrolyseprodukten des Leims*) entdeckte. Diese Oxyaminosäure ist seither in einer ganzen Reihe anderer Proteine aufgefunden worden. E. Fischer hat das Oxyprolin reduziert und dabei a-Prolin erhalten, dessen Konstitution bekannt war. Fraglich war noch die Stellung der Hydroxylgruppe in Kerne. Durch die schönen Untersuchungen von H. Leuchs und seinen Mitarbeitern ist die Konstitution des natürlichen Oxy¬ prolins als die eines x-Oxyderivates der Pyrrolidin- a-carbonsäure8) einwandfrei bestimmt worden. Als.Ausgangs- material für die Synthese diente der b-Chlor-x-valeronlacton- *) Diese Zeitschrift, Bd. 76, S. 258 (1912), und Bd. 79, S. 235 (1912>. *) Ber. d. Deutsch, chem. Ges., Bd. 35, S. 2660 (1902). 3) Ber. d. Deutsch, chem. Ges., Bd. 38, S. 1937 (1905); Bd. 41. S. 1726 (1908); Bd. 45, S. 1962 (1912); Bd. 46, S. 986 (1913).