Über die Einwirkung des Zuckers auf die Verdauung. Von Erwin Thomsen. Mit einer Tafel. (Der Redaktion zugegangen am 23. März 1913.) Die Wirkung des Zuckers auf die Verdauung ist bisher kaum untersucht worden. Clemm,1) der am Kleinen Magen Versuche gemacht hat, gibt an, daß die Magensaftsekretion durch Zucker verringert würde. Best und Cohhheim2) sahen, daß bei Durchlaufversuchen am leeren Magen Zuckerlösungen den Magen langsamer verließen als Salzlösungen. Best3) be¬ schreibt einen Versuch mit festem Zucker an einem Hunde mit Duodenalfistel. Über die Einwirkung des Zuckers, der zu anderer Nahrung hinzugegeben wird, fehlen alle Angaben. Daß aber der Zucker, der zu anderen Speisen hinzu¬ kommt, einen Einfluß auf die Verdauung hat, ist nach Beobach¬ tungen am Menschen zu erwarten. Viele Menschen können nüchtern süße Speisen nicht vertragen. Nach Genuß von Zucker oder Süßigkeiten auf den leeren Magen bekommen sie Sod¬ brennen und verlieren auf eine gewisse Zeit den Appetit. Anderseits hat man bei Patienten von der Zufuhr größerer Zuckermengen auch günstige Erfolge gesehen. Endlich ist es schon seit langer Zeit bei den meisten Kulturvölkern Sitte, am Schlüsse der Hauptmahlzeit eine Torte, Pudding oder sonstige Süßspeisen zu genießen. Es war wohl denkbar, daß auch *) W N. Clemm, Therap. Monatshefte, 1901, S. 402. *) F. Best undO. Cohnheim, Diese Zeitschrift, Bd. «9, S. 117,1910. s) F. Best, Deutsch. Arch. f. klin Med., Bd. 104. S. 94, 1911.