Über die Anomalie der Harnsäurelöslichkeit (kolloide Harn¬ säure).1) i Von Privatdozent Dr. H. Schade, Vorsteher der physiko-chcm»sehen Abteilung, und Dr. E. Boden, Assistenzarzt der Klinik. Mit einer Abbildung im Text und einer Tafel in Lichtdruck. (Aus df'm physiko-chemischen Laboratorium der medizinischen Universitätsklinik zu Kiel [Professor Dr. H. Lüthje]). (Der Redaktion zugegangen am 8. Dezember 1912.) ■ 7 / .. '■ ■' 'i'-‘ -,r. ■ V . - • ’• • Es ist bekannt, wie sehr gerade in letzter Zeit die Frage der Harnsäurelöslichkeit iin Vordergründe bei der Diskussion des Gichtproblems gestanden hat. Die ausgezeichneten Unter¬ suchungen von His und Paul,2) sowie deren Fortsetzung durch Gudzent3) haben für verdünnte, rein wässerige Lösungen eine befriedigende Klärung der Verhältnisse gebracht. Es ist, besonders für die Temperatur von 37°, ein exakter Grenzwert der Löslichkeit für die Harnsäure und die harnsauren Alkali¬ salze festgestellt. Auch die Dissoziationskonstante wurde zu¬ verlässig bestimmt, und es konnte gezeigt werden, daß die Lösiichkeitsbeeinflussung der harnsauren Salze-durch andere gleichzeitig in der Lösung vorhandene Elektrolyte qualitativ und quantitativ den Werten entsprach, welche die Berechnung auf Grund dieser Dissoziationskonstante den Gesetzen der lonen- löslichkeit zufolge hatte vorhersehen lassen. Dabei ergab sich als eine besondere Komplikation, daß die Löslichkeit der harn- sauren Salze nicht zeitlich konstant war, sondern daß bei den frisch gelösten Alkalisalzen (Na-, K-, NH4-Urat) anfänglich höhere Löslichkeitswerte gefunden wurden als später nach Stunden und ‘) Vorgetragen und demonstriert in der medizinischen Gesellschaft zu Kiel am 7. November 1912. *) Diese Zeitschrift, Bd. 31, S. 1—42 (1900). 3) Diese Zeitschrift, Bd. 56, S. 160f; Bd. 60, S. 25,38; Bd 63, S.455. Hoppe-Seyler’s Zeitschrift f. physiol. Chemie. LXXXIII. 25