Zur Konstitutionsaufklärung der Cholsäure vermittelst Bromierungsversuche.1) Von Dr. B. C. P. Jansen. (Aus dem physiologischen Institut der Universität Amsterdam. Direktor Prof. Df. G. van Ilynberk.) Der Redaktion zugegangen am 24. Oktober 1912.) Durch die Untersuchungen der letzten Jahre (cf. Panzer2), Letsche3) und besonders Pregl4) u. a.) ist es sehr wahr¬ scheinlich geworden, daß die Cholsäure zu den hydroaroma¬ tischen Körpern gehört. Es wäre daher sehr erwünscht, die hydroaromatischen Hinge im Cholsäuremolekül in aromatische überzuführen. Nun haben von Baeyer und Villiger5) eine, auch von Pregl schon angewandte Methode ausgearbeitet, durch welche viele hydroaromatische Substanzen zu aromatischen oxydiert werden können. Die Methode beruht darauf, daß man zuerst den hydrierten 6-Ring durch vollkommen symmetrische Sub¬ stitution von 6 WasserstofTatomen durch Brom in einen Ab¬ kömmling von Benzolhexabromid überführt. Hieraus entsteht durch Einwirkung von Zink- und Salzsäure leicht ein aroma¬ tischer Körper: C6H12 + 12Br = CßH#Br6 -f- 6HBr C6H6Br6 + 3Zn = C6H6 + 3Zn Br2. Um die Anwendbarkeit dieser Methode auf die Cholsäure zu prüfen, wurden folgende Versuche gemacht: 18 g Cholsäure (Schmelzpunkt 194°; durch längeres Er¬ hitzen auf 130° vom Krystallalkohol befreit) wurden in ein *) Vorliegende und nachfolgende Abhandlung stellen eine verkürzte Wiedergabe meiner Inauguraldissertation vor. Cf. B.C. P. Jansen, Dis- sertatie, Utrecht. •) Diese Zeitschrift, Bd. 48, S. 192 (1908), und Bd. 60, S. 376 (1909). *) Diese Zeitschrift, Bd. 61, S. 215 (1909). 4) Diese Zeitschrift, Bd. 65, S. 157 (1910). b) Ber. d. Deutsch, chem. Ges., Bd. 31, S. 1401 (1898).