Über die chemische Zusammensetzung und Bildung der Enzyme. IV. 2 t7 Schon vor langer Zeit sind Beobachtungen gemacht worden, welche darauf hindeuten, daß Mikroorganismen sich an Nahrungs¬ material anpassen können, auf welchem zu leben sie nicht ge¬ wohnt sind. Seit der Entwickelung der Enzymologie ist dann die Frage studiert worden, ob die Anpassung mit der Neubildung von Enzymen verknüpft ist, und welche Einflüsse zu einer Änderung im Enzymgehalt der lebenden Zellen führen können. Die verschiedenen Untersuchungen haben nicht zu über¬ einstimmenden endgültigen Ergebnissen geführt: immerhin sind die vorliegenden Angaben wichtig als Ausgangspunkte für weitere Arbeiten, weshalb wir einen kurzen Überblick über die frühere Forschung unseren eigenen Versuchen voranstellen. Wir be¬ schränken uns dabei auf die Literatur, welche sich auf die Enzyme der Kohlenhydrate bezieht. Vorhergehende Arbeiten. Wortmann1) lenkte die Aufmerksamkeit auf die inter¬ essante Tatsache, daß gewisse Bakterien nur dann ein Stärke lösendes Enzym bilden, wenn sie auf Stärke als Kohlenstoff- quelle angewiesen sind, wenn ihnen also kein anderes Kohlen- stoflmaterial geboten wird. Nicht allein Weinsäure, sondern auch Eiweiß (vermöge seines Kohlenhydratgehalts) hemmt die Diastasebildung. Bemerkenswert ist ferner sein Ergebnis, daß bei Hefen die Invertasebildung durch Zusatz von Traubenzucker nicht unterdrückt werden konnte. Bald darauf machte Büsgen (Ber. d. d. Bot. ties., Bd. 3. S. 66: 1885) die Beobachtung, daß Aspergillus Oryzae auch auf stärkefreiem, zuckerhaltigem Nährsubstrat Diastase bildet. Nach Fermi und Répetto (Zentralbl. f. Bakt. (1). Bd. 31. S. 403; 1902) bilden auch viele Bakterien Amylase auch in Abwesenheit von Stärke. Auch Effront2) kam, wie Wort mann, zu dem Ergebnis, daß Rohrzucker keinen Einfluß auf den Invertasegehalt der *) Diese Zeitschrift, Bd. 6. S. 316. 1882. *) Die Diastasen und ihre Rolle in der Praxis. Übers, v. Büchel ei Leipzig, Dentike 1900. S. 74 u. IT. Jloppe-Seyler's Zeitschrift f. physiol. Chemie. LXXVIII. 17