Die Ammoniakausscheidung im menschlichen Harne bei Zuführ von Harnstoff und Natron. Von . N. Janney aus Philadelphia. Mit fünf Kurvenzeichnungen im Text. (Aus dor II. Medizinischen Klinik zu München, Direktor Prof. F. v. M ü 11 è r.) (Der Redaktion zugegangen am 3. Oktober 1911.) Es ist bekannt, daß bei gemischter Kost ca. 3—5°/o des Gesamtstickstoffs im Harn als Ammoniak ausgeschieden werden. Es ist fernerhin allgemein anerkannt, daß zum mindesten ein sehr großer Teil dieses Ammoniaks dazu dient, um die im Stoffwechsel entstandenen unverbrennlichen Säuren zu neutra¬ lisieren («Neutralisationsammoniak»). Diese Lehre stützt >ich in erster Linie auf die bekannten Untersuchungen Walters1) über die Säurevergiftung. Dieser Autor fand nach Salzsäure¬ zufuhr beim Hund einen sehr beträchtlichen Anstieg der Am¬ moniakmenge des Harns. Ähnlich liegen die Verhältnisse beim Menschen. Auch wenn im Stoffwechsel unter pathologischen Verhältnissen abnorme Säuren in großer Menge entstehen, die nicht verbrannt werden, erweist sich die Ammoniakausscheidung als beträchtlich gesteigert, so vor allem beim schweren Diabetes. Dali auch dieses Ammoniak als Neutralisationsammoniak auf¬ zufassen ist, nicht als Ausdruck einer primären Stoffwechsel- Körung, ergibt sich daraus, daß gleichzeitige Natronzufuhr die Ammoniakausscheidung auf normale Werte herabdrückt, ln diese Rubrik gehört auch, wie es scheint, die Vermehrung des Harnammoniaks bei Leberkrankheiten. Die alte, besonders von der französischen Schule vertretene Ansicht, daß diese Form ‘) Walter, Archiv für exp. Path. u. Therapie, Bd. 7, S. 148, 1877. Hoppe-Seyler’s Zeitschrift f. physiol. Chemie. LXXVI. 8