Die Bestimmung des Traubenzuckers in Harn und Blut Von Berthold Oppler. (Aus dem StofTwechsellaboratorium der kgl. Universitätsklinik für psychische und Nervenkrankheiten in Göttingen: A. Gramen (Der Redaktion zugegangen am 1». August 1911.) Von den wenigen pathologisch-chemischen Befunden, welche bisher an Geisteskranken erhoben wurden, erregt die von einer Reihe von Forschern häufig gefundene Glykosurie u. a. deshalb ein besonderes Interesse, weil das Auftreten des Zuckers im Harn von bestimmten Formen psychischer Störung, vornehm¬ lich depressiven Charakters, abhängig gefunden wurde. Die Bedeutung dieser Tatsachen machte neue Untersuchungen wünschenswert, da in einer Mitteilung aus der Cramerschen Klinik Ehrenberg,1) dessen Arbeit kürzlich von Tintemann8) fortgesetzt und erweitert wurde, die Richtigkeit dieser Angaben nur teilweise bestätigen konnte. Im Gegensatz zu Ehrenberg und Tintemann konnten Knauer und Schulz5) in einer auffallend großen Zahl von Fällen psychischer Erkrankung Traubenzucker feststellen. Die Unsicherheit, welche in dieser Frage herrscht, beruht zu einem erheblichen Teil auf der Un¬ sicherheit der Methodik, welche bei Bestimmung von Trauben¬ zuckermengen unter 0,2 bis 0,1 °/o, der Empfindlichkeitsgrenze der qualitativen Gärungs- und Reduktionsproben im Harne, sich störend bemerkbar macht. Eine Klarstellung der Ver¬ hältnisse erforderte daher als nächste Aufgabe eine verfeinerte Methode des Traubenzuckernachweises. Bei der nachfolgend '*) Monatsschr. f. Psychiatr. u. Neurologie, Bd. 25, Heft 1. *) Monatsschr. f. Psychiatr. u. Neurologie, Bd. 29, S. 294. ') Allgem. Zeitschr. f. Psychiatrie H6, Heft ö enthält die gesamte Literatur.