Darstellung optisch aktiver Polypeptide aus Haeemkörpern. 3D5 Die verschiedenartigsten Verdauungssäfte — mit Ausnahme von Pepsinsalzsäure, die keines der bis jetzt dargestellten Poly¬ peptide angegriffen hat — und ebenso, die Preßsäfte aus den verschiedenartigsten Organen zerlegten stets nur solche Poly¬ peptide, an deren Aufbau die in der Natur vorkommenden Aminosäuren beteiligt waren. Wurden Haeemkörper verwendet, dann erfolgte asymmetrische Spaltung. Übrig blieb* das Poly¬ peptid, das aus optisch aktiven Aminosäuren aufgebaut war, die in der Natur nicht Vorkommen. Bekanntlich ist auf Grund dieser Beobachtungen die Struktur bestimmter Raceinkörper aufgeklärt worden. Verfüttert man racemisehe Polypeptide (Dipeptide), dann tritt im Harn meist der Anteil des Racem- körpers auf, der die in der Natur nicht vorkommenden Amino¬ säuren enthält. Es erscheint jedoch in keinem Falle die ge¬ samte Menge des betreffenden Polypeptids im Harn. Der Organis¬ mus hat offenbar Bedingungen in seinen Zellen, die eine Lösung von Bindungen zwischen in der Natur nicht vorkommenden Aminosäuren ermöglichen. Es wird von Interesse sein, dieses Problem weiter zu verfolgen und festzustellen, wie sich der tierische und menschliche Organismus unter verschiedenen Be¬ dingungen gegenüber verschiedenen Racemkörpern verhält. Die Formoltitration nach Sörerisen und die Bestimmungen des Aminostickstoffs nach van Slvke gestatten jetzt eine viel schärfere Bestimmung der nach Verfütterung von Polypeptiden im Harn auftretenden Produkte. Die Möglichkeit, daß Preßsäfte aus Zellen auch Poly¬ peptide spalten, die unter ihren Bausteinen auch solche fuhren, die in der Natur nicht Vorkommen, ist somit nach den Be¬ obachtungen am lebenden Tier gegeben. Der eine von uns konnte selbst mit Pringsheim1) nachweisen, daß Preßsäfte, die von niederen Organismen stammen, «unnatürliche* Dipeptide spalten. Für höhere Organismen, selbst für Hefe, bleibt dagegen der von Hans Fischer mitgeteilte Fall eine Ausnahme. Nun hat H. Fischer die eingetretene Spaltung des von ihm verwandten b Emil Abderhalden und Hans Pringsheim. Studien über die Spezilizität der peptolytischeh Fermente bei verschiedenen Pilzen. I. Mitteil.. Diese Zeitschrift. Dd. f>U. S. 2Pt. 1909.