Über die Anpassungsfähigkeit des tierischen Organismus an überreichliche Nahrungszufuhr. (Nach Versuchen am Hunde.) Von Dr. E. Grafe und Dr. D. Graham (Toronto); Mit einer Tafel. (Ans der medizinischen Klinik zu Heidelberg.) (Der Redaktion zugegangen am 4. Mai lUli.) Die durch die großen stoffwechsel-physiologischen Arbeiten der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts begründete Anschauung, daß die Größe des Umsatzes im tierischen Organismus unter gleichen Außenbedingungen bezogen auf die Einheit des Körpergewichts (Voit und Pettenkofer), der Oberfläche (Rubner) oder des lebendigen Protoplasmas (Pflüger) kon¬ stant bleibt, kann in ihrer strengen Allgemeingültigkeit heute wohl nicht mehr aufrecht erhalten werden, denn man hat im Laufe der letzten Jahrzehnte eine große Anzahl von Aus¬ nahmen kennen gelernt. Zunächst zeigte sich, daß im Hunger nicht bei allen Tieren die Verbrennungen in gleichem Maße sanken, wie Protoplasmabestand und Körperöberfläche sich ver¬ kleinerten, sondern manchmal viel rascher. . ' ' Auf derartige Vorkommnisse beim hungernden Hunde hat vor allem Rubner1) aufmerksam gemacht und auf zahl¬ reiche kompensatorische Einflüsse zurückgeführt, die er unter dem Begriff der Individualität zusammenfaßt. Beim Menschen, der wegen seiner Größe bei der Wärme¬ produktion viel günstiger gestellt ist, als. die üblichen Labora¬ toriumstiere, scheinen Ausnahmen von dem Rubnerschen Gesetze, daß der Energieverbrauch des Hungernden proportional dem Körpergewicht absinkt, seltener zu sein. Jedoch findet man auch hier häufig, daß die Kalorienproduktion .pro Körper¬ kilo etwas abnimmt, so bei Tigerstedt2) und seinen Mit- •) Die Gesetze des Energieverbrauchs. bei der Ernährung. Leipzig und Wien 1902, S. 291 und 297. , .. . ‘ *) Skandin. Arch. f. Physiol., Bd. VII, S. 1, 1897. Hoppe-ScylerY Zeitschrift f. physiol. Chemie. LXX1II. .1