280 Hans Euler und Beth af Ugglas keit der isolierten Enzyme und dem Gehalt der Lösung an Salzen bezw. anderen Stoffen, wie z. B. Peptone, Kohlen¬ hydrate usw. Daß die Frage nach den Bedingungen der Enzymbildung in lebenden Mikroorganismen bis jetzt nicht in weiterem Um¬ fange aufgenommen worden ist, liegt zweifellos an den ex¬ perimentellen Schwierigkeiten, welche mit solchen Arbeiten ver¬ knüpft sind, und an der großen Zahl der Versuche, welche den vielen mitbestimmenden Einflüssen zufolge notwendig werden.1) Durch chemische Veränderung der Nährlösung einer Kultur von Mikroorganismen, z. B. von Hefe, erzielen wir Wirkungen wesentlich verschiedener Art, welche wir etwa folgendermaßen einteilen können: 1. Fall. Durch Veränderung der Nährlösung wird in irgend einer Weise die durch die Menge anwesender Zellen gegebene Enzymwirkung vermehrt oder vermindert. Macht man die chemische Veränderung der Nährlösung rückgängig, so tritt auch sofort wieder die frühere Enzymwirkung auf: der Enzymgehalt bleibt also unverändert. 2. Fall. Verweilt der Mikroorganismus eine gewisse Zeit in der veränderten Nährlösung, so tritt eine Konzentrations¬ veränderung des Enzymes oder Enzymsystems2) auf, welche, wenn die Zelle wieder in ihre ursprünglichen Bedingungen gelangt, nicht sofort rückgängig werden. 3. Fall. Es treten durch länger fortgesetzte Kultur dauernde Veränderungen ein; es handelt sich dann um Trans¬ formationen oder Spaltungen, eventuell um Mutation. Solche dauernden Veränderungen haben bekanntlich E. Chr. Hansen und Beijerinck an Hefe beobachtet, welche auf verschiedenen Nährsubstraten gezüchtet wurde. Über die eventuell dabei ') So haben die ganz unzureichenden Versuche, welche Dubourg (Comptes rendus. Bd. CXXVII1, S. 140, 1891)) mitgeteilt hat, der kritischen Nachprüfung durch A. Klücker (Centralbl. f. Bakt. II, Bd. VI, S. 2421 nicht standhalten können. *) Als Enzymsystem bezeichnen wir ein Enzym mit dem gesamten System seiner Koenzyme und der die Enzymwirkung beeinflussenden Aktivatoren und Hemmungskörper.