Vorwort zur ersten Auflage. Die vorliegende Schrift soll weder ein „Lehrbuch“, noch ein „Com¬ pendium“ sein, d. h. nicht eine mehr oder weniger ausführliche Ueber- siclit über den Stand der Wissenschaft. Während der Verfasser eines Lehr¬ buches sich Mühe giebt, alles möglichst vollständig und übersichtlich zu registriren, war ich darauf bedacht, alles wegzulassen, was für die psychia¬ trisch-diagnostischen Aufgaben des praktischen Arztes nicht in Betracht kommt. Vor allem lag mir daran, die diagnostischen Gedankengänge, die wir in praxi wirklich gehen, zum Verständnis des praktischen Arztes zu bringen, oder vielmehr seiner Erinnerung an die früher gehörte Klinik zu Hilfe zu kommen. Es handelte sich mir also nicht um eine vollständige Kegistrirung des Wissens, sondern um einen Unterricht in der Methode der psychiatrischen Diagnostik. Diese Uebung im Diagnosticiren wird nun, wenn man einigermaassen einen Ersatz für die Wirklichkeit der Klinik bieten will, am besten erlangt durch eine kritische Analyse von thatsäch- lich beobachteten Fällen. Allerdings kann ein derartig beschaffenes Buch weder die wirkliche Klinik ersetzen, noch mit den eigentlichen Lehrbüchern der Psychiatrie in Concurrenz treten, wohl aber wird es vielleicht dem in der psychiatrischen Klinik unterrichteten Arzt oder Studenten ein Uebungsbuch für die Praxis sein können. Die Hauptgefahr für den Arzt bei der Auffassung von psychiatrischen Bildern besteht, wie es bei der öfteren Lectüre von psychiatrischen Gut¬ achten praktischer Aerzte deutlich wird, darin, dass nach der oberfläch- a*