Das Verhalten von Blutserum und Harn gegen Glycyl-l-tyrosin unter verschiedenen Bedingungen. ♦ Von Emil Abderhalden und Peter Kona. (Ans dem chemischen Institute der Universität Berlin und dem biochemischen Laboratorium des Krankenhauses Urban, Berlin.) (Der Redaktion zugegangen am 11. August 1907.) Durch die Untersuchungen des einen von uns mit Bert hold Oppler1) ist der Nachweis geführt worden, daß dem Plasma des Pferdes zugesetztes Glycyl-l-tyrosin gar nicht oder doch nur in Spuren angegriffen wird. Wie das Plasma verhält sich das Serum. Es ließen sich bei dessen Verwendung stets nur ganz geringe Mengen von Tyrosin und Glvkokoll nachweisen. Es ist leicht möglich, daß das im Serum offenbar in kleiner Menge vorhandene Glycyl-l-tyrosin spaltende Ferment nicht diesem selbst zukommt, sondern durch den Zerfall von weißen und roten Blutkörperchen und namentlich von Blutplättchen2) in dieses hineingelangt. Diese Herkunft würde auch die schwanken¬ den Resultate der einzelnen Versuche erklären, denn bald be¬ obachtete man eine geringe, aber deutliche Hydrolyse, bald fiel der Versuch ganz negativ aus. Ohne Ausnahme zeigten da¬ gegen die roten Blutkörperchen des Pferdeblütes und die Blut¬ plättchen eine intensive Einwirkung auf Glycyl-l-tyrosin.2) Nach kurzer Zeit ließ sich Abscheidung von Tyrosin und damit der *) Emil Abderhalden und Berthold Oppler, Über das Ver¬ halten einiger Polypeptide gegen Blutplasma und -Serum vom Pferde, Diese Zeitschrift, Bd. LUI, S. 294, 1907. 2) Emil Abderhalden und H. Deetjen, Über den Abbau einiger Polypeptide durch die Blutkörperchen des Pferdes, Diese Zeitschrift, Bd. LI, S. 334, 1907. — Weitere Studien über den Abbau einiger Polypeptide durch die roten Blutkörperchen und die Blutplättchen des Pferdeblutes, Ebenda, Bd. LUI, S. 280, 1907.