Beiträge zur Kenntnis der organischen Bestandteile des Serums. Von Eugen Letsche. (Aus dem physiologisch-chemischen Institute zu Tübingen.) (Der Redaktion zugegangen am 22. Juli 1907.) Schon lange ist bekannt, daß im Blut ein kleiner Teil des Gesamtstickstoffes in Form nicht eiweißartiger Stoffe sich findet. Unsere Kenntnis von der Natur der einzelnen Bestandteile, aus welchen dieses stickstoffhaltige Gemenge sich zusammensetzt, ist bis in die neueste Zeit eine recht lückenhafte geblieben. Von wohl charakterisierten stickstoffhaltigen Verbindungen haben im Menschenblut mit Sicherheit nur Harnstoff, Kreatin und Hippursäure sich nachweisen lassen; ob Harnsäure als normaler Bestandteil im Blut sich findet, ist nicht sicher erwiesen. Durch den Nachweis dieser Stoffe war aber nur für einen kleinen Teil des Stickstoffes festgestellt, in welcher Form er im Blute kreist; der bei weitém größere Teil des Gemenges war einer weiteren Zerlegung in chemisch wohldefinierte Verbin¬ dungen unzugänglich. Wohl ist der Versuch1) gemacht worden, die stickstoffhaltigen Bestandteile auf Grund bestimmter Reak¬ tionen in verschiedene Gruppen aufzuteilen und dadurch einen Einblick in die Zusammensetzung des Gemenges zu erhalten; ohne die Zweckmäßigkeit und Brauchbarkeit dieses Verfahrens für vergleichende Zwecke in Frage stellen zu wollen, bin ich doch der Ansicht, daß damit ein wesentlicher Fortschritt in der Erkenntnis der Natur dieser Stoffe nicht gegeben ist ; und zwar vor allem aus folgendem Grunde. Es ist ja von vornherein nicht ausgeschlossen, daß im Blut Stoffe sich finden, die als Über¬ gangsglieder von den Peptonen zu den krystallinischen Eiweiß- J) Ascoli, Pflügers Archiv, Bd. LXXXVII, S. 103.