Zur Kenntnis der allmählichen Hydrolyse des Pferdeoxyhämoglobins. Von Hugo Kirbach. (Aus der chemischen Abteilung des physiologischen Instituts Leipzig.) (Der Redaktion zugegangen am 6. November 1906.) Zur Aufklärung der Konstitution des Eiweißes sind vor¬ wiegend Spaltungsversuche ausgeführt worden, bei denen durch tief eingreifende Reaktionen, wTie durch die Einwirkung von siedender starker Salzsäure, ein Zerfall des Eiweißmoleküles in die sogenannten letzten Spaltungsprodukte, Amidosäuren usw., bewirkt wird. Hingegen liefert eine allmähliche Hydrolyse nicht sofort diese letzten Spaltungsprodukte, sondern größere Kom¬ plexe derselben, deren nähere Untersuchung einen Einblick in die Verkettung der kleinen, bei der vollständigen Hydrolyse auf¬ tretenden Gruppen zu gewähren verspricht. Die in dieser Rich¬ tung von Siegfried unternommenen Versuche, der das Glutin und das Gasein der allmählichen Hydrolyse unterwarf, haben ergeben, daß sowohl im Glutin1) als auch in Casein2) die bei der vollständigen Hydrolyse als Arginin, Lysin und Glutamin¬ säure auftretenden Spaltungsprodukte der betreffenden Protein¬ körper wenigstens zu einem wesentlichen Teile in einem Komplex von ausgesprochenem basischen Charakter vereinigt sind. Reim Glutin enthält dieser Komplex auch noch Glykokoll. Siegfried isolierte diesen basischen Komplex beim Glutin zuerst durch die Einwirkung von 121/2°/oiger Salzsäure auf das mit Hilfe seiner Eisenmethode rein dargestellte Glutintrypsin¬ pepton, dessen weitere Zersetzung er mit Hilfe des Drehungs¬ vermögens der Zersetzungslösung kontrollierte, wobei sich nach 1) M. Siegfried, Zur Kenntnis der Hydrolyse des Eiweißes, Be¬ richt der math.-phys. Klasse der Kgl. Sächs. Ges. der Wissensch. zu Leipzig. 2) M. Siegfried, Über Caseinokyrin, Diese Zeitschrift, Bd. XLIII. S. 46 ff.