Untersuchungen über die Entstehung des Kreatins im Organismus. Von M. Jaffé. (Aus dem Laboratorium für medizinische Chemie und experimentelle Pharmakologie zu Königsberg i. Pr.) (Der Redaktion zugegangen am 13. Juli 1906.) Der naheliegende und bereits von verschiedenen Seiten1) ausgesprochene Gedanke, daß bei der Entstehung des Kreatins im Organismus vielleicht ein Methylierungsvorgang mitwirkt, ist kürzlich von Czernecki2) experimentell geprüft worden. Dieser Autor fand bei einem mit Glykocyamin (Guanidin¬ essigsäure) gefütterten Kaninchen eine Vermehrung der Kreatinin¬ ausscheidung im Harn, die allerdings einer mehrfachen Deutung fähig war. Der einzige, quantitativ durchgeführte Versuch, der in dieser Richtung angestellt worden ist, konnte die Frage nicht entscheiden, ob tatsächlich eine Anlagerung von Methyl an das Glykocyamin stattfmdet. Czernecki selbst hält dieselbe mindestens für nicht be¬ wiesen. Bereits ca. 2 Jahre vor dem Erscheinen der Czernecki- schen Arbeit habe ich von der gleichen Idee ausgehend Fütte¬ rungsversuche mit Glykocyamin zuerst an Hunden begonnen, später ausschließlich an Kaninchen fortgesetzt. Der Einfluß auf die Kreatinbildung sollte einerseits durch die Untersuchung der Harnausscheidung, andererseits am Muskel selbst festgestellt werden. Weitere Versuche, die noch nicht zum Abschluß ge¬ langt sind, wurden in der Absicht unternommen, über den modus der Kreatinsynthese, namentlich über die ihr vorausgehenden Zwischenstufen näheren Aufschluß zu gewinnen. Über die Re¬ sultate der durch längere Pausen wiederholt unterbrochenen Untersuchung soll in folgendem berichtet werden. *) Hofmeister, Arch. f. experiment. Pathol., Bd. XXXIII (1894). Kutscher und Otori, Zentralbl. f. Physiol., Nr. 8 (1904). G. Salomon und C. Neuberg, Festschrift für Salkowski u. a. m., 1904. 2) W. Czernecki, Diese Zeitschrift, Bd. XLIV (1905).