410 E. Schulze und N. Castoro, dem beschriebenen Verfahren erhaltenen Lösungen weit stärker und in solcher Weise auftreten müssen, wie dies in Homo¬ gentisinsäurelösungen geschieht. Wir vermochten somit weder in den frischen noch in den chloroformierten Keimpflanzen Homogentisinsäure aufzu¬ finden. Es entsteht nun die Frage, welche Bedeutung gegen¬ über den negativen Resultaten unserer Versuche den Reaktionen zukommt, auf welche Bertels Angabe sich stützt. Es scheint uns, daß Bertel ein Hauptgewicht auf die durch den Keim¬ pflanzensaft bewirkte Reduktion von ammoniakalischer Silber¬ lösung legt. Wir machen aber darauf aufmerksam, daß die Zahl der silberreduzierenden Substanzen, die in den Organismen auftreten können, nicht gering ist. Wir verweisen auf eine von E. Baumann1) gegebene Aufzählung solcher Stoffe. Außerdem aber trat die Silberreduktion in den von uns untersuchten Keimpflanzenextrakten, sowie in den wässerigen Lösungen der daraus durch Ausschütteln mit Äther gewonnenen Stoffe in anderer Weise ein, als in einer Homogentisinsäurelösung — worauf wir oben schon aufmerksam gemacht haben. Bertel gibt ferner an, daß er bei seinen Objekten die Reaktionen der Homogentisinsäure mit Eisenchlorid und mit Millonschem Reagens erhalten habe. Wir glauben, daß diese Reaktionen, wenn man sie im Keimpflanzensaft auftreten sieht, mehrdeutig2) sind und daß sie durch das Vorhandensein anderer Saftbestand¬ teile unsicher gemacht werden können. Zur Stütze dieser Ansicht weisen wir darauf hin, daß Substanzen, die mit Millonschem Reagens Färbungen oder Fällungen geben, im Saft der Keim¬ pflanzen niemals fehlen ; was das Eisenchlorid betrifft, so nahm *) Pflügers Archiv der Physiologie, Bd. XXIX, S. 414. a) Zur Stütze dieser Behauptung weisen wir darauf hin, daß im Alkaptonharn neben Homogentisinsäure hin und wieder noch eine andere Säure auftritt, welche ganz die gleichen Reaktionen gibt, wie die Homogentisinsäure. Man bezeichnet diese Säure als Uroleucinsäure und glaubt, daß sie eine Dioxyphenylmilchsäure sei (ihre Formel ist C9H10O6). Doch ist ihre Struktur bis jetzt nicht sicher festgestellt worden; es läßt sich daher auch nicht sagen, ob sie in Beziehung zum Tyrosin steht (man vergl. Hoppe-Seylers Handbuch der physiologisch- und pathologisch-chemischen Analyse, bearbeitet von Thierfelder, S. 237).