Bildet sich Homogentisinsäure in Keimpflanzen? 397 säure aus Tyrosin muß unter Sauerstoffaufnahme und unter Ab¬ spaltung von Kohlensäure und Ammoniak erfolgen; E. Schulze hat es aber für wahrscheinlich erklärt, daß die primären Eiwei߬ zersetzungsprodukte im Stoffwechsel der Keimpflanzen der Oxy¬ dation verfallen und daß dabei ihr Stickstoff in Ammoniak über¬ geführt wird. Die Beobachtungen, auf welche Bertels Angabe sich gründet, weisen eine Lücke auf; eine Isolierung der Homo¬ gentisinsäure aus Keimpflanzen ist von Bertel nicht ausgeführt worden. Wir haben diese Lücke auszufüllen gesucht; das Resultat unserer Versuche war aber völlig negativ. Über den Weg, den wir einzuschlagen hatten, um jenes Ziel zu erreichen, konnte ein Zweifel nicht bestehen. Wolkow und Baumann,1) die Entdecker der Homogentisinsäure, haben gezeigt, daß man diese Säure aus dem Alkaptonharn nach Zusatz von Schwefelsäure durch Ausschütteln mit Äther gewinnen kann; aus dem Rückstand, der beim Abdestillieren des Ätherextrakies verbleibt, läßt sich jene Säure krystallisiert erhalten. Nach Garrod2) kann man aber auch zur Reindarstellung der Säure jenen Rückstand in Wasser lösen, die Lösung in der Hitze mit Bleiessig versetzen, die Flüssigkeit der Filtration unterwerfen und das Filtrat der Ruhe überlassen; aus letzterem scheidet sich dann nach dem Erkalten das in Wasser sehr wenig lös¬ liche Bleisalz der Homogentisinsäure in Krystallen aus, aus diesem Salz läßt sich durch Zerlegung mit Schwefelwasserstoff Homogentisinsäure gewinnen. Diese Methoden waren bei der Untersuchung der Keimpflanzen anzuwenden. Auch in dem Falle, daß es nicht gelang, mit ihrer Hilfe die Homogentisinsäure in Krystallen zu erhalten, mußte letztere doch in dem beim Ver¬ dunsten des Ätherextraktes verbleibenden Rückstände leicht nachzuweisen sein, da sie charakteristische Reaktionen gibt. Wenn man einer verdünnte wässerige Homogentisinsäurelösung mit ammoniakalischer Silbernitratsolution versetzt, so schwärzt sie sich sofort oder binnen einigen Sekunden unter Ausscheidung ‘) Diese Zeitschrift, Bd. XV, S. 277. 2) Hoppe-Seylers Handbuch der physiologisch- und pathologisch¬ chemischen Analyse, bearbeitet von Thierfelder, S. 236.