Über den Tyrosingehalt der Keimpflanzen von Lupinus albus. Von E. Schulze und N. Castoro. (Aus dem agrikultur-chemischen Laboratorium des Polytechnikums in Zürich.) (Der Redaktion zugegangen am 29. Juni 1906.) Über den Tyrosingehalt 2tägiger Keimpflanzen von Lupinus albus hat R. Bertel1) Angaben gemacht, die mit unseren Be¬ obachtungen nicht übereinstimmen. Dies ist schon in einer früher von uns publizierten Abhandlung2) erwähnt worden; wir haben uns aber nicht mit den damals ausgeführten Ver¬ suchen begnügt, sondern später noch einige andere Keimpflanzen¬ kulturen untersucht. Ehe wir die dabei erhaltenen Resultate mitteilen, müssen wir Bertels Angaben reproduzieren. Bertel fand bei der mikroskopischen Untersuchung 2 tägiger Keim¬ pflanzen der genannten Lupinus-Art in den Wurzeln Sphärite, die er nach ihrem Aussehen und Verhalten für Tyrosin erklärte; diese Sphärite vermehrten sich, wenn die Pflanzen mit Hilfe von Chloroform narkotisiert wurden. Bertel suchte nun die in dieser Form auftretende Substanz aus den Pflänzchen zur Abscheidung zu bringen. Dies gelang unter Anwendung eines einfachen Verfahrens; die von den Pflänzchen abgetrennten Wurzeln wurden zerrieben und mit Wasser gekocht,3) der vom Ungelösten durch Filtration getrennte Auszug sodann bis auf 1U seines Volumens eingeengt. Beim Erkalten schied sich ein aus Sphäriten bestehender weißer Niederschlag aus, der von Bertel für identisch mit der bei der mikroskopischen Unter- ') Ber. d. Deutsch. Botanischen Gesellschaft, 1902, Bd. XX, S. 454. s) Diese Zeitschrift, Bd. XXXVIII, S. 226—227. s) Auf ca. 30 g frische Wurzeln wurden 200 ccm Wasser ange¬ wendet.