Läßt sich durch Heteroalbumosen Stickstoffgleichgewicht im tierischen Organismus hersteilen? Von V. Henriques und C. Hansen. (Aus dem physiologischen Laboratorium der königlichen tierärztlichen und landwirt¬ schaftlichen Hochschule in Kopenhagen.) (Der Redaktion zugegangen am 26. Juni 1906.) Eine der Fragen, die zuvörderst ins klare gebracht werden müssen, wenn man den komplizierten Verhältnissen der Eiwei߬ synthese im tierischen Organismus näher auf den Grund zu kommen wünscht, ist die, ob die verschiedenen primären und sekundären Albumosen imstande sind — jede für sich —, den Organismus im Stickstoffgleichgewicht zu erhalten. Erweist es sich z. B., daß man durch Teilung der Albuminstoffe in Proto- und Heteroalbumosen zwei Bestandteile darstellen könnte, deren einer imstande wäre, den täglichen Stickstoffabgang des Organis¬ mus zu ersetzen, der andere dagegen dieser Eigenschaft er¬ mangelte, so wäre man hierdurch um einen sehr wichtigen Schritt vorwärts gekommen. Es ist deshalb leicht zu verstehen, daß man schon vor mehreren Jahren Fütterungsversuche sowohl mit «Albumosen» als mit «Peptonen» anstellte, leider können diese Versuche aber nicht mehr genügen, da unsere Kenntnis der Albumosen und der Peptone sich nach und nach bedeutend erweitert hat. Unter den Versuchen mit Hetero- und Protoalbumosen können eigentlich nur die von Pollitzer1) und die von Blum2) unternommenen auf besonderes Interesse Anspruch machen. Der erstere Untersucher wandte weniger reine Stoffe an, indem sich weder von der Protoalbumose noch von der Heteroalbumose, die zur Anwendung kamen, sagen läßt, sie seien frei von be¬ deutenden Beimischungen gewesen, während Blum dagegen Albumosen benutzte, die von Beimischungen so frei waren, wie ») Pollitzer, Über den Nährwert einiger Verdauungsprodukte des Eiweißes. Pflügers Archiv, Bd. XXXVII, 1885. 2) Leon Blum, Über den Nährwert der Heteroalbumose des Fibrins und der Protoalbumosen des Caseins. Diese Zeitschrift, Bd. XXX, 1900. Hoppe-Seyler’s Zeitschrift f. physiol. Chemie. XLVIII. 26