Über die Geschwindigkeit der Fermentreaktionen. III. Mitteilung. Von R. O. Herzog. (Aus dem chemischen Institut der Technischen Hochschule zu Karlsruhe.) (Der Redaktion zugegangen am 23. Juni 1906.) 1. G. Bredig hat wohl zuerst mit aller Deutlichkeit aus¬ gesprochen, daß die Katalyse durch Fermente in einem mikro¬ heterogenen Medium1) stattfmde, damit war auch angedeutet, daß der Verlauf der Fermentreaktionen, welcher nicht den ein¬ fachen Formeln der chemischen Dynamik2) entspricht, bedingt sein könnte durch den kolloidalen Charakter der Enzyme. In der Reaktion [Wasserstoffsuperoxyd — kolloidales Platin] hatte Bredig ein geradezu ideales Modell der Fermentreaktionen ge¬ funden. Senter,3) Issajew,4) Feitelowitz,5) Euler6) u. a. haben in den letzten Jahren die Reaktion [H202 — H202-spal- tendes .Ferment]7) untersucht, ohne (wenigstens in gewissem Konzentrationsbereich) irgend einen wesentlichen Unterschied zwischen dieser und der von Bredig untersuchten Reaktion zu finden. Es hat sich gezeigt, daß der Reaktionsverlauf mit genügender Genauigkeit durch eine Gleichung von der Form dargestellt wird, die für eine Reaktion erster Ordnung gilt. Anders liegt der Fall aber bei allen anderen Ferment¬ reaktionen, die bisher untersucht wurden; in allen Fällen gilt *) Anorg. Fermente u. in den Ergehn, d. Physiologie, Bd. I, S. 134, (1902). — Die hier diskutierten Verhältnisse gelten natürlich nur für homogene Lösungen des Substrates. s) Vgl. Tammann, Diese Zeitschrift, Bd. XVI, S. 271 (1892). 3) Zeitschrift f. physikal. Chemie, Bd. XLIV, S. 257 (1903), und Bd. LI, S. 673 (1905). 4) Diese Zeitschrift, Bd. XLII, S. 102 (1904), 5) Diss. Heidelberg 1904. 6) Hofmeisters Beitr., Bd. VII, S. 1 (1905). 7) Vielleicht empfiehlt sich zur Abkürzung diese Schreibweise.