Über die Isolierung reinen Harnstoffs aus menschlichem Harne. 179 Präparat III. Stickstoffbestimmung nach Dumas: 0,1172 g Substanz gaben 27,2 ccm trockenen Stickstoff bei 14,2° und 737 mm Quecksilberdruck, entsprechend 26,86 °/o Stick¬ stoff (berechnet: 26,71 ü/o). Oxalsäurebestimmung durch Titration mit Permanganat: Aus 0,2138 g Substanz wurde die Oxalsäure als Calciumoxalat ab¬ geschieden und auf ein Filter gebracht, nach dem Auswaschen wurde der Niederschlag vom Filter gespült, der auf dem Filter befindliche Rest des Niederschlages mit l°/oiger Schwefelsäure unter Erwärmen gelöst, mit der Hauptmenge vereinigt, nach der Zersetzung des Niederschlages wurde zur Entfernung etwaiger Papierfasern durch dasselbe Filter filtriert, und das Filtrat nach dem Zusatze der nötigen Schwefelsäuremenge und Erwärmen in der üblichen Weise titriert. 1 ccm der Permanganatlösung entsprach 0,0032 g krystallisierter (krystallwasserhaltiger) Oxalsäure, ver¬ braucht wurden 40,1 ccm Permanganat entsprechend 42,86 °/o Oxalsäure gegen einen berechneten Gehalt von 42,81 °/o. In allen Fällen sah die Oxalatfällung einheitlich aus und gab, soweit geprüft, bei der Spaltung typisch krystallisierten, nicht hygroskopischen Harnstoff. Die erhaltenen Analysenwerte stimmen, so gut man es überhaupt erwarten kann, auf die Formel des oxalsauren Harn¬ stoffs 2CO(NH2)2, C2H204. Es hat sich also nicht der geringste Anhaltspunkt ergeben, daß dem Harnstoff bei dieser Fällung eine irgend nennenswerte Beimischung anhaftet, und ich darf auf Grund dieser Untersuchungen wohl behaupten, daß W. O. Moor das Opfer einer Täuschung geworden ist.1) Zusammengefaßt ergeben meine Versuche : Eine vom Harnstoff äußerst schwer trennbare Substanz von der Natur des Mo or sehen Ureins ist dem Harnstoff im menschlichen Harne nicht beigemischt. Die Hauptmenge des nach Pflüger-Schöndorff und nach Mörner-Sjöqvist bestimmten Harnstoffs ist zweifellos Carbamid. Der Harnstoffgehalt des menschlichen Harnes ist keines¬ wegs wesentlich überschätzt worden. ') Wie plausibel sich Moors Ausführungen darstellten, zeigt u. a. eine Bemerkung in W. Camerers Mitteilung: Der Harnstoff im mensch¬ lichen Urin, Zeitschrift f. Biol., Bd. XLVI, S. 359 (1905). «... möchte demnach die Arbeit Erbens eher für eine Bestätigung der Moorschen Entdeckung als für eine Widerlegung halten.>