Über die Isolierung reinen Harnstoffs aus menschlichem Harne. Von Dr. Fritz Lippich, Assistenten am Prager deutschen med.-chem. Institute. (Aus dem medizinisch-chemischen Institute der Prager deutschen Universität.) (Der Redaktion zugegangen am 15. Mai 1906.) Es ist bekannt, daß keine der gebräuchlichen Harnstoff¬ bestimmungsmethoden den wirklichen Harnstoffgehalt wieder¬ gibt, daß vielmehr immer höhere Werte erhalten werden, indem andere stickstoffhaltige Substanzen nicht auszuschließen sind. Bei den zwei besten Bestimmungsverfahren, nach Pflüger - Schöndorff und nach Mörner-Sjöqvist, gilt dieser Fehler als so geringfügig, daß er für die meisten Zwecke nicht in Betracht kommt. Auf Grund solcher Bestimmungen war man berechtigt, den mittleren Harnstoffgehalt des menschlichen Harnes zu 2°/o anzunehmen. Um so größeres Aufsehen mußten die 1903 und 1904 er¬ schienenen Arbeiten W. 0. Moors1) hervorrufen, als deren wichtigstes Ergebnis die Mitteilung sich darstellte, der Harn¬ stoffgehalt des menschlichen Harnes sei um das Doppelte über¬ schätzt worden. Ist diese Behauptung richtig, und manche Erfahrungen über die Schwierigkeit, reinen Harnstoff aus Harn zu isolieren, schienen zugunsten der Mitteilung Moors zu sprechen, dann gerät ein Fundament unserer Stoffwechsellehre ins Wanken. Moors Unter¬ suchungen sind in Beil st eins Laboratorium ausgeführt, und seine Ansicht wird mit großer Bestimmtheit in ausführlicher ') Wm. Ovid Moor, Über den wahren Harnstoffgehalt des mensch¬ lichen normalen Harnes und eine Methode, denselben zu bestimmen, Zeit¬ schrift f. Biologie, Bd. XLIV, S. 121. Derselbe, Harnstoff und Urin, ebenda, Bd. XLV, S. 420.