Synthese der Glykocholsäure und Taurocholsäure. 501 Darstellung von Cholalsäure. Wir haben zu unseren ersten Versuchen eine Cholalsäure vom Schmelzpunkt 194° benutzt, welche der eine von uns (Bondi) nach den Angaben von Mylius1) in größeren Mengen dargestellt hatte. Bei der Herstellung weiterer Mengen von Cholalsäure fand der andere von uns (E. Müller), daß reine Cholalsäure vom bisher noch nicht beobachteten konstanten Schmelzpunkt von 198'" durch folgende Modifizierung und zur Darstellung des Bohproduktes wesentliche Vereinfachung des Mylius’ sehen Verfahrens gewonnen werden kann. Darstellung: 5 kg Rindergalle wird unmittelbar nach der Entnahme aus dem Körper mit 1 kg 30°/o iger Natronlauge versetzt und 30Stunden lang in einem gußeisernen Topf auf freier Flamme unter Rück¬ flußkühlung gekocht. Hierauf werden 5 1 kaltes Wasser zuge- sotzt und zu der 50° warmen Flüssigkeit sofort konzentrierte Salzsäure zugefügt, bis kein Niederschlag mehr ausfällt. Die teigartig ausfallende, rohe, noch blaugrün gefärbte Cholalsäure ballt sich zu einem Klumpen zusammen, der aus der Flüssig¬ keit genommen und, um überschüssige Salzsäure zu entfernen, mit kaltem Wasser wiederholt durchgeknetet wird. Die abge¬ preßte Masse wird auf dem Wasserbad erhitzt, dabei schmilzt sie und erstarrt nach dem Verdampfen des Wasserrestes zu einem harten Kuchen, der sich leicht pulverisieren läßt. Die zu kleinerte Säure wird in 4 1 verdünnten Ammoniukwnssers gelöst, M2 Stunde mit Tierkohle gekocht, filtriert, mit über¬ schüssiger Chlorbaryumlösung versetzt und 1 1 gewöhnlicher! Alkohol zugesetzt. Die Lösung des Baryumsalzes der Cholsäure wird von dem Rückstand abfiltriert, auf 114 1 Wasser zuge¬ fügt und mit Salzsäure versetzt. Die Cholalsäure fällt nunmehr fast farblos krystallinisch aus. Sie wird abfiltriert, auf dem V asserbad getrocknet und aus möglichst wenig heißem absolutem Alkohol umkrvstallisiert. Die so erhaltene Cholalsäure zeigt den bekannten Schmelzpunkt von 194°. Sie ist genügend rein, um aus ihr die reinen Verbindungen, den Ester, das Hvdrazid und Azid darzustellen. l) Mylius, Diese Zeitschrift, Bd. XII, S. 2113.