Synthese der Glykocholsäure und Taurocholsflure. Von S. Bondi und Ernst Müller. (Mitteilung aus dem chemischen Institut der Universität Heidelberg.^ (Der Redaktion zugegangen am 26. März 1906.) Das wichtige Problem der synthetischen Darstellung von Substanzen, welche sich der tierische Körper für seine physio¬ logischen Zwecke aufbaut, konnte bisher für die Glykocholsäure und Taurocholsäure nicht gelöst werden. Eine Reihe von Ver¬ suchen in dieser Richtung ist in der Literatur beschrieben worden. Das Amid der Cholalsäure wurde im Jahre 1878 von Hüfner1) dargestellt, in der Erwartung, «daß mit Hilfe des Lholamids auch einmal die Synthese der Glykocholsäure außer¬ halb des Organismus gelingen werde. * Über eine spätere Aus¬ führung dieses Planes ist nichts mehr berichtet. Lang2) erhitzte äquivalente Mengen von Cholalsäure und Glykokoll im zugeschmolzenen Rohre 12 Stunden auf 200° und erhielt dabei nur «Glykodvslvsin.» S. Tauber3) hat in jüngerer Zeit ein Gemenge von Taurin und cholalsaurem Natron im offenen Tiegel einer Temperatur von 265° ausgesetzt. Aus dem Reaktionsprodukte ließ sich eine Substanz extrahieren, welche in amorphem Zustande analysiert wurde, und von der es der Verfasser selbst offen läßt, ob es sich dabei um Taurocholsäure handelt. Unter der Leitung von Herrn Geheimrat Curtius haben wir im Heidelberger Universitätslaboratorium das Azid der Cholalsäure dargestellt und konnten dieses nach dem Verfahren von Curtius zur Darstellung der azidilierten Polyglycylverbindungen leicht ‘) Hüfner, Journal f. pr. Chemie [2], Bd. XIX, S. 307. *) Johann Lang, Beiträge zur Kenntnis der Zersetzungsprodukle der Gallensäuren. Mal y ’s Jahresbericht für Tierchemie, Bd. VI. 1870, S. 73. s) Siegfried Tauber, Hofmeister’s Beiträge, Bd. IV, S. 323.