Zur Frage der Aminosäuren im normalen u. pathologischen Harn. 381 Zur Reinigung dieses Rohproduktes von ihm beigemengtem Naphthalinsulfamid hat Embden den Weg über die Ammon¬ salze erfolgreich eingeschlagen. In der Tat gelingt es so auf einfache \\ eise, naphthalinsulfamidfreie, ganz schwach am- moniakalische Lösungen zu erhalten. Aus dieser Lösung können die Sulfone, mit Säure in Freiheit gesetzt, nur in Äther wieder aufgenommen werden. Nach dem Verdunsten kann das amid¬ freie Rohprodukt zur Wägung kommen. Es ist mir nicht er¬ sichtlich, ob Embden die Zahlen seiner Ausbeuten auf diese Weise oder durch Abzug des Amids von dem ursprünglichen Rohprodukt gewonnen hat. Meine später anzuführenden Zahlen sind dutch direkte Wägung des Rückstandes aus dieser zweiten Atherextraktion gewonnen. Für die Ausbeuten dieses Rohproduktes, das sicher ein Gemisch von mehreren Substanzen ist, gibt nun Embden und ebenso Lipstein Zahlenwerte bis zur dritten Décimale an; die Autoren fügen aber gleichzeitig hinzu, daß diese Werte keinen Anspruch machen können, als quantitativ zu gelten. Ich habe mich durch Einhalten ganz gleicher Versuchsteehnik bei ein und demselben Harn bemüht, gleiche W’erte an diesem Roh¬ produkt zu erhalten, bin aber oft auf sehr erhebliche Differenzen gestoßen. Sind schon aus vorerst nicht zu übersehenden Be¬ dingungen diese Zahlen mit Kritik zu beurteilen, so ist es aber sicher nicht festgestellt, diese ganze Fraktion einfach als Amino¬ säureverbindung anzusprechen. Zunächst hat dieser Körper noch immer die Eigenschaft, leicht ölig zu werden, zu verharzen und sich beim Behandeln mit Säuren tiefrot zu färben, letzteres eine Eigenschaft, die sicher nicht den Sulfonen der Amino¬ säuren eigen ist. Ich habe wiederholt, bei vorsichtigem An¬ säuern des geschüttelten alkalischen Harns und gutem Aus¬ waschen aller Ätherauszüge, ein Rohprodukt erhalten, das nur ganz schwach gelb war und aus dem letzten Äiherextrakt sofort auskrystallisierte. In diesen Fällen waren die Ausbeuten an Rohprodukt aber immer geringer, die Ausbeute daraus an Glykokoll aber nicht vermindert. Natürlich ist es noch nicht entschieden, ob durch diese Reinigung nicht N-haltige Produkte entfernt werden, dieselben aber als Aminosäurensulfone direkt aufzufassen, dazu fehlt noch der Beweis.