Zur Frage der Aminosäuren im normalen u. pathologischen Harn. 377 hobenen Zahlenwerte. Nach Abschluß dieser Arbeit erschien eine Abhandlung von G. Forssner,1) der das Ergebnis von Ignatowski dahin einschränkt, daß das Auftreten von Gly- kokoll nicht generell, aber auch nicht pathognomon isch für Gicht ist. Durch die Publikation von Embden wurden meine Ver¬ suche naturgemäß auf den Weg der Nachprüfung geleitet, und es sei sofort vorausgeschickt, daß ich bei allen Versuchen in normalen und pathologischen Harnen in keinem Fall Glvkokoll vermißt habe. Es muß danach das Glvkokoll zu den normalen Bestandteilen des Harns gezählt werden. Was die Methodik betrifft, so hat man nur die ursprüng¬ lichen Angaben von Fischer und Bergeil auf den Harn zu übertragen, mit der Vorsicht, Nebenreaktionen auszuschalten. Die Bleifällung des Harnes hat in verdünnter Lösung zu ge¬ schehen, da bei stärkerer Konzentration das schwerlösliche, vielleicht vorhandene Leucinblei ausfallen kann. Die Bleifällung möchte ich entgegen Forssner nicht unterlassen. Sie ist tür ein sauberes Arbeiten, speziell bei Schüttelreaktionen des Harns unerläßlich. Man vermeide dabei einen Überschuß an Bleiacetat, da die beim Entbleien entstehende Essigsäure später störend wirken kann. Die Schüttelreaktion mag mit dem eingeengten Tagesharn ausgeführt werden. Ich habe vom Einengen auf den quanti¬ tativen Verlauf der Reaktion keinen Einfluß beobachtet. Das Einengen des Tagesharns — in der Hegel auf 600 ccm — soll nach Ignatowski im Vacuum geschehen, bei einem Tem¬ peraturoptimum von 47°. Ich habe mich überzeugt, daß auch nach dem Einengen auf dem Wasserbad, selbst nach 12stündigem Kochen des Harns in stark alkalischer Lösung, die mit Naphthalin- sulfochlorid reagierenden Substanzen nicht zerstört werden. Vorläufig aber möchte ich das Einengen im Vacuum beibe¬ halten, solange nicht die Gegenwart hoher zusammengesetzter Aminosäureverbindungen — Peptide — ausgeschlossen ist. Ignatowski äthert danach den mineralsauren Harn aus. Ich habe das in allen Fällen getan, in denen ich eine positive *) G. Forssner, Über das Vorkommen von freien Aminosäuren im Harn und deren Nachweis, Diese Zeitschrift, Bd. XLV1I, H. 1, S. 15. f 25*