Zur Frage der Aminosäuren im normalen und pathologischen Harn. Von Franz Samuely, Assistent der Klinik (Aus dom Laboratorium der medizinischen Klinik zu Göttingen: Geheimrat Ebstein.) (Der Redaktion zugegangen am 6. März 1906.) Die vorliegende Arbeit wurde begonnen, als über die wichtige trage der im Harn ausgeschiedenen Aminosäuren und ihren direkten Nachweis mit Hilfe der Naphthalinsulfochlorid- methode nach E. Fischer und P. Bergell1) vor allem die Arbeit von Ignatowski*) und eine vorläufige Mitteilung von E mb den,3) zur Diskussion standen. Ignatowski hatte das Auftreten größerer Mengen von Glykokoll im Harn bei Gicht, I neumonie und Leukämie festgestellt, und es war zu ent¬ scheiden, ob dieser Befund eine speziell für die Stoffwechsel- störung der Gicht konstante oder typische Erscheinung dar¬ stellte. Embden4) teilt nun in ausführlicherer Arbeit in Ge¬ meinschaft mit Heese mit, daß auch der Harn des gesunden Menschen Glykokoll und andere Aminosäuren enthalte, und Li pst ein5) findet die nach der Embden’sehen Methode gefun¬ denen Werte an Aminosäuren im Harn des Gichtikers und Leukämikers nicht gesteigert gegen die beim Gesunden er- ‘) R- Fischer u. P. Bergell, Ber. d. Deutsch, chem. Gesellsch Bd. XXXV, S. 1903. *) A. Ignatowski, Über das Vorkommen von Aminosäuren im Harn, vorzugsweise bei Glicht, Diese Zeitschrift, Bd. XLII, S. 388, 401. s) Kongreßberichte für innere Medizin, Wiesbaden 1905. 4) G. Embden und H. Beese, Über die Gewinnung von Amino¬ säuren aus normalem Harn, Beiträge zur chem. Phys. u Path Bd VII S. 411 ff., 1905. *) A. Lipstein, Die Ausscheidung der Aminosäuren bei Gicht und Leukämie.