Sind die proteolytische und milchkoagulierende Fermentwirkungen verschiedene Eigenschaften eines und desselben Fermentes? Von Ivar Bang (Lund, Schweden). (Der Redaktion zugegangen am 13. Oktober 1904.) Im Bande XL1I, Seite 415 IÎ. haben Herr Prof. Pawlow und Agro- 1 nom Parustschuk einige Untersuchungen veröffentlicht, welche beweisen sollen, daß die Labwirkung nur eine Eigenschaft des Pepsinfermentes bilde. Ein selbständiges Labferment komme überhaupt nicht vor. Nach meiner Ansicht sind die von den Verfassern publizierten Tatsachen nicht überzeugend. Im Gegenteil glaube ich. daß die dargelegten Argumente die dualistische Auffassung der übrigen wissenschaftlichen Welt nicht erschüttern können, welche Auffassung man also bis auf weiteres aufrechthalten darf. Oie Wichtigkeit der Frage ist für mich die Veranlassung, gegen den übrigens so hochverdienten Herrn Prof. Pawlow eine abweichende Meinung zu äußern. Nachdem die Verfasser ihre unistisrhe Theorie durch verschiedene Versuche näher begründet haben, erklären sie S. 433, daß die «Tatsachen und Befunde, mit denen man noch bis heute bewiesen zu haben glaubt. daß beide von uns untersuchten Wirkungen von zwei grundverschiedenen * Fermenten ausgeübt werden ... in Anbetracht der neueren Untersüchungs ergebnisse ... von neuem nachgeprüft und beurteilt werden» müssen. Biese Nachprüfung haben aber die Verfasser meines Erachtens nicht in überzeugender Weise ausgeführt. Sie haben nämlich die lat- sache nicht in Betracht gezogen, daß die Labfermente der verschiedenen Tiere gar nicht identisch sind, im Gegenteil recht erhebliche Differenzen darbieten. Wenn deswegen die Verfasser ihre Ergebnisse mit dem Hund« labe als Beweis gegen .die Resultate der früheren Untersuchungen mit anderen Labsorten anführen, kann man dieser Argumentation nicht bei stimmen. Will man die früheren Ergebnisse beurteilen, muß man unbedingt auch dasselbe Lab untersuchen. Die Richtigkeit dieser Forderung geht schon aus den eigenen Ver¬ suchen der Verfasser deutlich hervor.