Über Cystinurie. I. Mitteilung.1) Von À. Loewy und C. Neuberg. (Aus «Irni k'homisrhcn J.aboratorium <l»‘s pathologischen Instituts der Universität Hcrlinj (I)cr Ueilaktion zugegangen am in. November l!tol. Während eine ganze Reihe von Anomalien des Kohle¬ hydrat Stoffwechsels bekannt sind — es sei nur an die Pentos- urie, Eävulosurie, Laktosurie und die Glukuronsäureausscheidung erinnert, deren genauere Kenntnis das letzte .lahrzehnt zu dem Jahrhunderte alten Wissen von der Zuckerharnruhr gesellt hat gehören Anomalien des Eiweißstoffwechsels zu den Selten¬ heiten, sowohl hinsichtlich der Art wie der Häuligkeil ihres Vorkommens. Streng genommen ist überhaupt nur eine Er¬ scheinung bekannt, bei der ein primäres kristallinisches Eiweißspallprodukt ohne sekundäre Veränderung chronisch zur Ausscheidung gelangt, d. i. die Cystinurie. Übrigens ist die Annahme, daß jenes bei der Cystinurie ausgeschiedene Stoffwecbselprodukt ein Eiweißabkömmling ist, erst jüngeren Datums und erst Gegenstand der Diskussion durch K. A. H. Mörners bedeutsamen Befund geworden, dal’» der Schwefel im Eiweißmolekül ganz oder zum größten Teil in Form einer bei der Hydrolyse Cystin liefernden Gruppe zu¬ gegen ist. Seitdem ist auch die rein chemische Erforschung des Cystins zu Ende geführt. Baumann hatte bekanntlich diesem Körper, resp. dem Cystein, die Formel eines NHs-Additions- ') Vorgetragen auf der 75. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte zu Cassel am 22. September 1ÎK13. Vergl. Verhandl.. S 12‘J