306 J. Otori, Bakterien hauptsächlich aus Eiweißstoffen, Lecithin oder lecithin¬ artigen Körpern sich bilden. In letzter Zeit aber zeigt sich mehr und mehr, wie eine beträchtliche Anzahl der Ptomaine bei Ausschluß der Fäulnis durch tierische Enzyme entstehen können. So sehen wir das Cadaverin und Putrescin reich¬ lich bei der Pepsinverdauung auftreten. Bei der Autolyse des Pankreas bildet sich Cholin. Diese Erscheinungen machen wahrscheinlich, daß ein Teil der von Brieger entdeckten «Fäulnisalkaloide» nicht lediglich Fäulnisvorgängen seine Bildung verdankt, sondern Vorgängen, wie sie sich auch bei der Auto¬ digestion der Organe abspielen. Aus diesem Grunde müssen die Ptomaine für den Physiologen an Interesse gewinnen und es wird wünschenswert sein, Verbindungen derselben zu er¬ halten, die ihre schnelle Identifizierung gestatten. Da die Pikro- lonate meist scharfe Schmelz- oder Zersetzungspunkte besitzen, sind sie hierzu besonders geeignet. Ich habe nun folgende Körper mit Pikrolonsäure verbunden: 1. Pentamethylendiamin, 2. Tetramethylendiamin, 3. Me¬ thylamin, 4. Dimethylamin, 5. Trimethylamin, 6. Äthylamin, 7. Diäthylamin, S. Triäthylamin, 9. Betain, 10. Cholin, 11. Neurin, 12. Lysin. Die Eigenschaften der erhaltenen Verbindungen gebe ich im nachstehenden. 1. Pentamethylendiamin. 2 ccm Pentamethylendiamin wurden mit einigen Kubik¬ zentimetern verdünnter Salzsäure versetzt und auf dem Wasser¬ bade zur Trockne eingedampft. Hiernach wurde das Salz in wenig Alkohol aufgelöst und mit konzentrierter alkoholischer Pikrolon- säurelösung gefällt, bis es keinen Niederschlag mehr gab. Ein Teil des Niederschlages kam sofort in feinen gelben Nadeln und Täfelchen, die Hauptmasse desselben kristallisierte aber ganz langsam aus. Nachdem ich etwas überschüssige Pikrolon¬ säure zugesetzt hatte, ließ ich die Flüssigkeit 24 Stunden stehen. Der abgesaugte Niederschlag wurde einigemal mit Alkohol nach- gewaschen und einmal aus heißem Wasser umkristallisiert.