Über einige Verwendungen der Naphtochinonsulfosäure. Yon Geh. Med.-Rat Prof. P. Ehrlich und C. A. Herter, M. D. Professor der Pharmakologie u. Therapie, Columbia University, New-Nork. (Aus dem königl. Institut für experimentelle Therapie in Frankfurt a. M.) (Der Redaktion zugegangen am 20. März 1904.) In der Chemie spielen Farbenreaktionen eine sehr wichtige Rolle beim Nachweis der verschiedenen Substanzen, insbesondere bei Alkaloiden und ähnlichen Verbindungen. Ein Nachteil vieler Farbenreaktionen besteht aber darin — und es gilt dies auch vor allem von der großen Zahl der Alkaloidreaktionen —, daß die Färbungen, welche zum Nachweis der betreffenden Sub¬ stanzen dienen, sich nicht auf gefärbte Verbindungen zurück¬ führen lassen, die der chemischen Analyse zugänglich sind. Es handelt sich nämlich meist um Passagephänomene, da die entstehenden Körper oft so zersetzlich sind, daß sie in reiner Form nicht isoliert und daher ihrer Natur und Konstitution nach nicht bestimmt werden können. Ein anderer Nachteil, wenigstens soweit es sich um bio¬ logische Verwertung solcher Reaktionen handelt, besteht darin, daß häufig sehr stark wirkende Reagentien (z. B. konzentrierte Schwefelsäure) zur Verwendung kommen, welche eine intra¬ molekulare Umlagerung des Ausgangsmaterials, Abspaltung be¬ stimmter Atomgruppen oder Oxydation veranlassen sollen. Dem¬ gegenüber wird das Ideal jeder Farbenreaktion eine glatt ver¬ laufende Synthese sein müssen, die zu Körpern führt, welche ihrer Konstitution nach wohl definierbar sind. Derartige Synthesen haben medizinisch nach zwei Rich¬ tungen hin Interesse. Erstens können sie dazu dienen, eventuell unbekannte Substanzen, die unter normalen oder pathologischen Hoppe-Seyler’s Zeitschrift f. physiol. Chemie. XLI. 25