Untersuchungen über die Leber. 183 Erscheinungen des Icterus abgesehen, größtenteils auf die zu palpierenden grobanatomischen Veränderungen des Organes, sowie auf die hiervon abhängigen zirkulatorischen Folgen. Die Erkennung und das Verständnis funktioneller Störungen der Leber ist am Krankenbette nicht über die ersten tastenden Versuche hinausgekommen. Die Ursache dieser Rückständigkeit liegt zu einem guten Teil darin, daß es nur selten möglich ist, das Produkt der äußeren Leberfunktion, die Galle, regelmäßig zu untersuchen. Eine zielbewußte Durcharbeitung der Pathologie der Gallen¬ sekretion dürfte daher wohl sicherlich das Verständnis für Ätiologie und Pathologie der Leberkrankheiten in manchen Punkten fördern. Die nachfolgenden Untersuchungen, welche im wesentlichen im Wintersemester 1899/1900 im physiologischen Institut zu Heidelberg ausgeführt wurden, suchten obiger Fragestellung gerecht zu werden. Damals leitete Herr Professor Cohnheim während Kühnes Krankheit die Arbeiten im Laboratorium: ich hatte mich seiner weitgehenden Unterstützung zu erfreuen, es sei ihm daher auch an dieser Stelle für die vielfache Anregung und Kontrolle bei den chemischen Proben gedankt. Eine vorläufige Mitteilung1) einiger Resultate gab ich auf der Naturforscherversammlung zu Aachen. Die ausführliche Publikation hielt ich zurück, weil mir eine Weiterführung der Untersuchungen wünschenswert erschien. Dieses geschah nun inzwischen durch Herrn Dr. Pilz eck er, dessen Resultate demnächst mitgeteilt werden sollen. Auch eine Arbeit von Haupt,2) welche unter dem Einflüsse von Kobert entstand, knüpft an einige Punkte obiger Mitteilung an: es wird später hierauf Rezug genommen werden. Meine Untersuchungen erstrecken sich zunächst auf menschliche Gallen. Bekanntlich enthält die normale Galle als Eiweißkörper v) Brauer, Über pathologische Veränderungen der Galle. M. Med. Woch. 1901, Nr. 25. 2) Haupt, Beiträge zur Kenntnis der Schwefelkohlenstoffvergiftung. Arch, internat, de Pharm, et de Thérapie. Vol. XI, p. 155, 1903. Hoppe-Seyler’s Zeitschrift f. physiol. Chemie. XL. 13