102 E. Schulze und E. Winterstein, behandelt, die ätherische Lösung durch Schütteln mit Wasser unter Zusatz von etwas Kochsalz gereinigt und sodann einge¬ dunstet. Dabei verblieb eine bräunlichgelb gefärbte Masse, welche 3,7 — 3,8 °/o Phosphor enthielt und allem Anschein nach haupt¬ sächlich aus Lecithin bestand: bei der Zersetzung durch sieden¬ des Barytwasser lieferte sie die Spaltungsprodukte des Lecithins, nämlich Cholin, Glyzerinphosphorsäure und Fettsäuren. Aus der Auflösung dieses als «Rohlecithin» zu bezeichnenden Pro¬ duktes in heißem Weingeist schied sich bei starker Abkühlung eine amorphe Substanz aus, welche die Eigenschaften des Lecithins besaß und 3,68 °/o Phosphor enthielt. Nach dem gleichen Verfahren hat später J. Stoklasa1) aus Haferkeimlingen Lecithin dargestellt. Das von ihm erhaltene Präparat, welches ebenfalls durch Abscheidung aus der stark abgekühlten weingeistigen Lösung gereinigt worden war, ent¬ hielt 4,23 °/o Phosphor und lieferte bei der Spaltung durch Barytwasser neben Fettsäuren etc. Cholin. Aus dem Steinpilz (Boletus edulis) erhielten E. Schulze und S. Frankfurt (loc. cit.) in der gleichen Weise ein Rohlecithin, welches 3,41 °/o Phosphor enthielt und bei der Spaltung durch Barytwasser die oben genannten Zersetzungsprodukte des Lecithins lieferte. Zu einem übereinstimmenden Resultate kamen E. Winterstein und J. Hofmanna) bei der Untersuchung von Agaricus campestris. Aus Roggen- und Gerstensamen erhielten E. Schulze und S. Frankfurt ein Rohlecithin, in welchem nur etwas' mehr als 2o/o Phosphor gefunden wurde; vielleicht schloß dieses Produkt neben Lecithin noch eine andere Substanz in beträcht¬ licher Menge ein. Wie aus den oben gemachten Angaben zu ersehen ist, gründet sich die zur Darstellung des Lecithins benutzte Methode auf die Tatsache, daß bei Behandlung gepulverter Samen oder anderer Pflanzenteile mit Äther ein beträchtlicher Teil des in diesen Objekten vorhandenen Lecithins ungelöst bleibt, aus dem Ü Sitzungsberichte der K. K. Österreich. Akad. d. Wissensch. in Wien, mathem.-naturwissensch. Klasse, Bd. 104, Abt. I, Juli 1895. 2) Mitgeteilt in der Inauguraldissertation J. Hofmanns «Über die chemischen Bestandteile einiger Pilze», Zürich 1902.