Das Vorkommen und die Bedeutung des Cholins etc. 527 spinalflüssigkeit wurde von Dide und Saquepée1) sowie von Pelligrini2) giftig befunden. Ich habe nun eingehende chemische und mikro¬ skopische Untersuchungen mit der durch die Quincke- sche Lumbalpunktion gewonnenen G er ebro spinal¬ flüssigkeit angestellt und gefunden, daß diese bei Epileptikern in der Regel Cholin enthält, und mich ferner durch Tierexperimente überzeugt, daß die die Konvulsionen erzeugende Substanz vornehmlich Cholin ist. Von Mott und Halliburton3) wurde dieses Alkaloid sowohl im Blut als in der Cerebrospinalflüssigkeit bei Er¬ krankungen des Nervensystems gefunden, welche mit Zerstörung des Nervengewebes einhergehen. Vor allem bei progressiver Paralyse und Tabes, dann bei kombinierter Sklerose, dissemi- nierter Sklerose, alkoholischer Polyneuritis, Beri-Beri und auch nach experimenteller Durchschneidung beider Nn. ischiadici bei Katzen. Sie leiten es von dem beim Zerfall der Markscheide freiwerdenden Lecithin ab, bei dessen Zersetzung Cholin ab¬ gespalten wird. Das Cholin wurde von ihnen teils auf chemischem Wege nachgewiesen, in der Weise, daß es aus dem Blute4) mittels Alkohol extrahiert und dann dessen Platindoppelsalz dargestellt wurde, welches, wie bekannt, aus warm gesättigtem 15°/oigen Weingeist5) in Oktaederform krystaliisiert, teils diente *) M. Dide et E. Saquepée, Note préluminaire sur la toxicité du liquide cérébro-rachidien dans l’épilepsie. (Société de neurologie de Paris, Séance du 18 avril 1901.) 2)Pelligrini, La tossicita del liquido cerebrospinale negli epilettici. (Riforma medica 1901, Nr. 55.) s) Mott and Halliburton, The Chemistry of Nerve-Degeneration. The Lancet 1901, April 13. 4) Das Cholin wurde zumeist aus Aderlaßblut gewonnen; seltener diente dazu Cerebrospinalflüssigkeit, welche post mortem, und nur in wenigen Fällen in vivo durch Lumbalpunktion entnommen wurde. 5) In kaltem 15°/oigen Weingeist fand ich das Cholinchlorplatinat gänzlich unlöslich, was aus dem Original nicht ersichtlich ist. Hierbei krystaliisiert das sonst wasserfreie Platinsalz mit 1 Mol. Wasser. (E. J ahns, Ber. d. deutsch-chem. Gesellsch., Bd. 23, S. 2973.)