Zu unserer Arbeit: «Über Methoden zur Begutachtung von Fleischextrakt». Von Fr. Kutscher und H. Stendel. (Der Redaktion zugegangen am 3. August 1903.) Siegfried sucht die Schlußfolgerungen, die wir in unserer Arbeit «Über Methoden zur Begutachtung des Fleischextraktes» gezogen haben (Diese Zeitschrift, Bd. XXXVIII, Seite 101), durch eine unter dem gleichen Titel erschienene Arbeit (Diese Zeitschrift, Bd. XXXIX, Seite 126) zu widerlegen. Bei seinen ganzen Ausführungen stützt er sich auf die Phosphorfleischsäure und deren Eigenschaften. Nun ist aber bisher die Phosphorfleischsäure überhaupt von keinem Forscher, auch von Siegfried nicht dargestellt; solange dies nicht geschehen und am reinen Präparat ihre Eigenschaften festgestellt sind, wird man nicht mit der Phosphorfleischsäure rechnen dürfen. Dargestellt ist bisher nur die Eisenverbindung der Phosphorfleischsäure, das «Carniferrin», und diese ist nach den bisher nicht widerlegten Einwänden von Folin,1) Kutscher,2) Kutscher und Steudel3) ein Gemenge von Albumosen, Bernsteinsäure und Milchsäure. Ferner ist es, vorausgesetzt, daß die Phosphorfleischsäure wirklich existiert und die angenommenen Eigenschaften hat, durchaus nicht er¬ forderlich, daß sie in jedem Fleischextrakte vorkommt. Sie ist nach Sieg¬ fried wie das Glykogen ein Energiestoff, der nach seinen quantitativen4) Bestimmungen bei der Arbeit des Muskels verbraucht wird. Theoretisch ist daher sehr wohl ein glykogenfreies und ein von Phosphorfleischsäure freies Fleischextrakt möglich. Fraglich ist dann weiter, ob es bei der außerordentlichen Zersetzlichkeit, die Siegfried für seine hypothetische Phosphorfleischsäure annimmt, überhaupt möglich ist, ein Handels- *) Diese Zeitschr., Bd. XXV, S. 163. 2) Diese Zeitschr., Bd. XXVI, S. 120. 3) Diese Zeitschr., Bd. XXXIX, S. 108, Fußnote. 4) Diese Zeitschr., Bd. XXI, S. 376. Hoppe-Seyler’s Zeitschrift f. physiol. Chemie. XXXIX. 26