130 M. Siegfried, Dieses II. Verfahren ist ebenfalls unrichtig, denn es beruht auf zwei falschen Voraussetzungen. Bei diesem Verfahren wird mit Ammonsulfat ausgesalzen und das Filtrat wie beim I. Verfahren mit Schwefelsäure ver¬ setzt und extrahiert. Kutscher und Steudel glauben, so die Phosphorfleischsäure und somit die nach der Ansicht der Verfasser vermeintliche Quelle der Bernsteinsäure entfernt zu haben. Die beiden falschen Voraussetzungen sind folgende: 1. Daß außer dem Nucleon keine, Bernsteinsäure bei der Hydrolyse liefernde Substanzen Vorkommen oder wenigstens nicht solche, die durch Ammonsulfat nicht gefällt werden. Dies ist vorläufig nicht bewiesen, es ist daher mit der Existenz solcher Substanzen zu rechnen. 2. Daß das Nucleon, die Phosphorfleischsäure, durch Ammonsulfat als solches ausgesalzen wird. Dies ist nicht der Fall.1) Schon durch R. Krüger2) ist es wahrscheinlich gemacht worden, daß -das Muskelnucleon durch Aussalzen mit Ammonsulfat zersetzt wird. Wie voll¬ ständig diese Zersetzung ist, zeigt Versuch IV. 50 g Liebigs Extrakt, dasselbe, welches in Versuch I—III verwendet wurde, wurde in 500 ccm Wasser gelöst, mit sehr geringem Überschuß von Barythydrat von Phosphaten befreit, durch Schwefelsäure barytfrei gemacht, das Filtrat nach Neu- 1) In einer Anmerkung, in der es Kutscher unternimmt, die Phosphorfleischsäure «endgiltig erledigen» zu wollen, macht Kutscher die Angabe, er habe aus den durch Ammonsulfat ausgesalzenen Massen Carniferrin dargestellt, welches «völlig identisch» mit dem echten Carni- ferrin Siegfrieds gewesen wäre, nur wäre bei seiner Darstellung die Beimengung der im Fleischextrakt präformiert vorhandenen Milchsäure und Bernsteinsäure vermieden. Kutscher gibt nicht an, auf welche Weise er sich die Überzeugung, der von ihm erhaltene Niederschlag sei «völlig identisch» mit meinem Carniferrin gewesen, verschafft hat. Solche nicht näher begründete Angaben wie «völlig identisch» sind wertlos. Aus dem oben Mitgeteilten geht hervor, daß Kutscher sich geirrt hat. 2) Th. B. Krüger, Diese Zeitschr., Bd. XXVIII, S. 530.