Beitrag zur Kenntniss der Eiweisskörper der Kuhmilch. Von Gustav Simon, cand. chem. aus Hambüren i. Westfalen. Aus dem Laboratorium der agric.-chem. Versuchsstation zu Halle a. S. (Der Redaction zugegangen am 14. August 1901.) Die Eiweisskörper, besonders die in der Milch befind¬ lichen, sind in den letzten Jahrzehnten der Gegenstand zahl¬ reicher Untersuchungen gewesen. Die Ergebnisse jedoch, die aus diesen Arbeiten erzielt wurden, stehen zum Theil in scharfem Widerspruche mit einander. Nicht einmal über die Zahl der Eiweisskörper, darüber, ob die Kuhmilch einen oder mehrere Eiweisskörper besitzt, herrscht Einstimmigkeit. Die Forscher, die der Ansicht sind, es in der Milch mit mehreren von einander verschiedenen Eiweissstoffen zu thun zu haben, führen zwei, drei, ja bis zu acht verschiedene an. Die Anwesenheit von nur einem Eiweisskörper in der Milch wird hauptsächlich betont von Duclaux, Pfeiffer, Biedert und Peters. Nach Duclaux1) enthält die Kuhmilch nur Casein, das in drei verschiedenen Formen vorkommt: «als festes, colloidales und gelöstes Casein.» Pfeiffer2) nimmt ebenfalls nur einen in mehrere Modification en zerlegbaren Eiweisskörper, «das Casein», an und bezeichnet die vier ver¬ schiedenen Modificationen als a-Casein (fällbar durch Säuren und Lab), b-Casein (durch Erhitzen gerinnend), c-Casein (nach Abscheidung des a- und b-Casein in der Milch spontan bei 20—25° durch Lab sich ausscheidend), schliesslich d-Casein (nicht coagulabler, durch Tannin fällbarer Antheil). Diese Pfeiffer’sche Auffassung wird auch von Biedert3) vertreten. 1) Comptes rendus. 98. 1884. 2) Jahresbericht der Thierchemie. 1884. 3) Die Kinderernährung im Säuglingsalter, citirt nach Schloss¬ mann, Zeitschr. f. physiol. Chem., Bd. XII, S. 204.