411 mussten wir von vornherein erwarten, dass die in den Gewebs- theilen enthaltene Phosphorsaure in verschiedener Weise reagirt, je nachdem sie als Phosphat oder in organischer Bindung (Lecithin, Protagon, Nucleïn, Paranucleïn) vorhanden ist. Wir benutzten das molybdänsaure Ammoniak, welches mit phosphorsauren Salzen in salpetersaurer Lösung einen sich ziemlich schnell entwickelnden Niederschlag bildet, hin¬ gegen mit Anhydridformen der Phosphorsäure oder mit organischen Verbindungen derselben nur dann eine Fällung gibt, wenn sich aus denselben Orthophosphorsäure abge¬ spalten hat. Wenn man einen phosphorsäurehaltigen Gewebstheil in eine salpetersaure Lösung von Ammoniummolybdat legt, so wird die Molybdänsäure an denjenigen Stellen, wo sich Phosphorsäure befindet, niedergeschlagen. Der entstehende Niederschlag ist gelb, also nicht ohne Weiteres wahrnehmbar: er muss erst durch eine chemische Reaction iii einen gefärbten Körper verwandelt werden. Als eine derartige Reaction, be¬ nutzten wir die Reduction, welche bekanntlich aus der Molybdänsäure blau gefärbte, niedere Oxyde bildet*). Wir versuchten es mit verschiedenen Reductionsmitteln. Zu diesem Behufe legten wir die Gewebsstücke in Ammonium¬ molybdat, wuschen sie mit Wasser aus und brachten sie dann in das Reductionsmittel. Die Alkaloide, welche bekannter- massen mit Ammoniummolybdat in schwefelsäurehaltiger Lösung Farbenreactionen geben, erwiesen sich für uns als unbrauchbar ; nachher versuchen wir es mit Zinnchlorür und Eisenvitriol; beide geben zwar eine grüne oder blaue Färbung, welche aber für vorliegende Zwecke zu schwach ist. Etwas bessere Resultate bekamen wir mit Gerbsäure und ,dic besten und bewegendsten mit Pyrogallol, welches uns nie im Stiche liess und immer klare und intensive Bilder gab. Das Pyrogallol gibt schon im Reagensglase mit Phosphormolybdänsäure eine intensiv braune bis schwarze Färbung, wobei niedere Molybdän¬ oxyde entstehen. *) Stahl, Molybdänsäure, als Farbreagens auf gewisse aromatische Oxydkörper, Périclité d. deutsch, ehern. Gesellschaft. No. 9, 1892..